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Von Brüdern und Erbfeinden. Gewalt und Gewaltvermeidung zwischen Christen, Juden und Muslimen in und um Spanisch-Nordafrika (1859–1874)

Die Kriegserklärung Spaniens an Marokko im Jahre 1859 löste in Spanien eine Welle nationaler Begeisterung und Solidarisierung aus, rhetorische Figuren aus der Zeit von „Conquista“ und „Reconquista“ gehörten zum alltäglichen Repertoire von Journalisten, Schriftstellern und Politikern. Der Rückbezug auf die „ewige Feindschaft“ und die Erinnerung an Gewalt zwischen Christen und Muslimen dienten dabei zum einen der Stärkung eines religiös-nationalen „Wir“-Gefühls sowie zum anderen der Legitimation und Motivation neuer Gewaltakte. Das Projekt von Sara Mehlmer beschäftigt sich mit der Frage nach den Auswirkungen der spanischen Selbstwahrnehmung als katholische Nation auf die im Zuge von militärischen Unternehmungen und Migrationsbewegungen ab 1859 zunehmenden Kontakte zwischen (spanischen) Katholiken und Moslems sowie (sephardischen) Juden in den und um die spanischen Exklaven Ceuta und Melilla in Nordafrika. Inwieweit kann von einer Gewaltbereitschaft gegen Andersgläubige die Rede sein, welche Akte physischer, verbaler oder symbolischer religiöser Gewalt lassen sich aufweisen, wie wurden diese legitimiert und wie sahen die Reaktionen darauf aus? Spielte die Rückbesinnung auf eine gemeinsame Geschichte und ein gemeinsames kulturelles Erbe bei den interreligiösen Kontakten möglicherweise eine Rolle und wenn ja, welche?