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abgeschlossene Forschungen

Auch im Forschungsprogramm der Jahre 2007 bis 2012 nahm das Leibniz-Institut für Europäische Geschichte (IEG) die historischen Grundlagen des modernen Europa in der Neuzeit in den Blick.

Zum einen fragen diese Forschungen zu den Grundlagen Europas nach den integrierenden und antagonistischen Bewegungen und Kräften, die dem (geographischen) Kontinent und (kulturellen) Bedeutungszusammenhang ›Europa‹ ein sich über die Jahrhunderte wandelndes, doch gegenüber den anderen Kontinenten distinktes Gepräge gaben. Das Signum Europas sind nicht nur integrative Kräfte und bewusst geschaffene Verklammerungen. Europa war (und ist) gerade durch die zeitlich-räumliche Dichte kleinerer Konflikte und menschheitsbedrohender Kriege geprägt. Die Forschungen zielen also auf bi- und multilaterale Transferprozesse, die sich  aus gesamt- und teileuropäischen Kommunikationsverbindungen ergeben. Dabei musste deren Protagonisten nicht notwendig bewusst sein, dass sie in »europäische« Zusammenhänge eingebunden waren. Die religiösen und konfessionellen Prägungen dieser Transferprozesse sind ein Schwerpunkt der interdisziplinären Arbeit des Instituts.

Zum Zweiten zeichnen diese Forschungen zu den Grundlagen Europas die Geschichte des bewussten Nachdenkens über Europa nach, analysieren die politischen Einigungsversuche, die konkreten Europa-Pläne, die idealen Europa-Vorstellungen und die utopischen Europa-Visionen – das anti-europäische Denken immer mit eingeschlossen. Integraler Bestandteil dieses Ansatzes ist die Historiographiegeschichte, also die Geschichte der Europahistorie.

Drittens umfasst diese Aufgabenstellung eine Theorie- und Methodenreflexion zur historischen Europaforschung. Das  Leibniz-Institut für Europäische Geschichte hinterfragt, welchen erkenntnisleitenden Interessen ›europäische‹ Ansätze in den historischen Wissenschaften folgen, und wie diese Standortgebundenheit der Europaforschung methodisch reflektiert werden kann. Der emanzipatorische Gründungsimpetus des Instituts für Europäische Geschichte – historisch gewachsene Vorurteile und Hindernisse für ein friedliches Zusammenleben der europäischen Völker und Konfessionen durch genauere Kenntnisse historischer Entwicklungen zu überwinden – soll mit einem kritisch-distanzierten Blick weiterentwickelt werden.

Im Zeitraum 2007 bis 2012 arbeiteten vier abteilungsübergreifende Forschungsbereiche:

  • Europa als Herausforderung für Politik, Gesellschaft und Kirche
  • Kommunikation und Transformation in Religion und Gesellschaft
  • Raumbezogene Forschungen zur Geschichte Europas seit 1500 
  • Wertewandel und Geschichtsbewusstsein
Die vier Forschungsbereiche wurden durch einen Querschnittsbereich verklammert und durch nicht programmgebundene Forschungen ergänzt.