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Kulturelle Differenz und frühneuzeitliche Außenbeziehungen. Die spanische Monarchie und die Hansestädte (ca. 1570–1700)

Während sich die historische Forschung lange Zeit eher für die Genese und Etablierung kultureller Differenz im frühneuzeitlichen Europa interessiert hat – man denke etwa an die zahlreichen Beiträge zur Konfessionalisierungsforschung oder zum frühmodernen Nationsbegriff –, fragt das Projekt bewusst nach Phänomenen der Grenzüberschreitung. Die spanische Monarchie und die Hansestädte sind als Untersuchungsgegenstand deshalb von besonderem Interesse, weil es sich hier um zwei Akteure handelt, die gleich in mehrfacher Hinsicht als »ungleiche Partner« gelten können. Nicht nur in konfessioneller, sondern auch in politisch-rechtlicher, sozialer und wirtschaftlicher Hinsicht bestanden auf den ersten Blick eklatante Unterschiede zwischen der katholischen Weltmacht Spanien und den mehrheitlich protestantischen Hansestädten. Trotz der Virulenz wechselseitiger Feindbilder kam es seit dem letzten Drittel des 16. Jahrhunderts zu einer wirtschaftlichen und politischen Annäherung, von der sowohl die spanische Monarchie als auch die Hansestädte erheblich profitierten. Dieser von der Geschichtswissenschaft bislang weitgehend vernachlässigte Annäherungsprozess steht im Mittelpunkt der Untersuchung. Das Hauptinteresse gilt dabei der Frage, wie die Vertreter beider Seiten miteinander interagierten, welche Strategien sie entwickelten, um bestehende Differenzen und kommunikative Barrieren zu überbrücken, und wie sich solche Strategien wiederum mittel- und langfristig auf die Ausbildung, Verfestigung oder auch Verflüssigung von kulturellen Fremd- und Selbstzuschreibungen auswirkten. Im Anschluss an ein erweitertes Konzept frühneuzeitlicher Außenbeziehungen geraten dabei nicht allein die vermeintlichen »Hauptakteure« und Träger frühmoderner Staatlichkeit in den Blick. Neben politischen Funktionsträgern und Gesandten richtet sich das Augenmerk der Untersuchung vielmehr auch auf andere Akteursgruppen, wie etwa Kauf- oder Seeleute, die als kulturelle Mittler und Grenzgänger in besonderer Weise zur Bewältigung von Differenz beitrugen.