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Dass Gerechtigkeit und Friede sich küssen – Repräsentationen des Friedens im vormodernen Europa

Die Allgegenwärtigkeit von kriegerischen Konflikten kann als Charakteristikum der Frühen Neuzeit verstanden werden. Die kriegsdominierten Jahrhunderte führten zugleich zur Entwicklung europäischer Friedensprozesse: Mehr als 2000 zwischen- oder binnenstaatliche Friedensverträge wurden vereinbart, in denen sich eine Praxis des Friedenschließens entfaltete. Ebenso wie der Krieg bedurfte auch der Friedensschluss der Erklärung, Begründung und Vermittlung. Diese Aufgabe übernahmen Repräsentationen des Friedens in bildender Kunst, Musik, Literatur und anderen sprachlichen Formen. Dabei stützten sich die Friedensrepräsentationen auf einen gemeinsamen Kanon von Motiven, Allegorien und Topoi, die europaweit genutzt und verstanden wurden. Vielfach auf Grundlage von Texten der Bibel oder der antiken Mythologie, entstand ein »Vokabular« des Friedens, das bildende Künstler, Literaten und Komponisten verwendeten und variierten und das in einem grenzüberschreitenden Transferprozess rezipiert wurde. Die vielfältigen Friedensrepräsentationen erfüllten weithin eine pragmatische Funktion, sie wirkten handlungsorientierend und unterweisend, interpretativ und appellativ, wertevermittelnd und normierend. Friedensrepräsentationen wurden bewusst eingesetzt und erreichten verschiedene Öffentlichkeiten. Diese besondere instrumentelle Wirkungsweise der Repräsentationen steht im Mittelpunkt des Projekts.

Ein solcher Zugang erfordert die Kooperation unterschiedlicher Fachrichtungen: Kompetenzen und Perspektiven der Geschichtswissenschaft, der Literaturwissenschaft, der Kunstgeschichte, der Religionsgeschichte sowie der Musikwissenschaft wirken zusammen, um so eine integrative kulturgeschichtliche Untersuchung zu ermöglichen. Das setzt eine Vernetzung von Forschungsinstituten mit Forschungsbibliotheken und Forschungsmuseen voraus, die für interdisziplinäre Untersuchungen geeignete Quellenbestände und Analysekompetenzen sowie Infrastrukturen besitzen. Daher kooperiert das IEG bei diesem Projekt mit der Herzog-August-Bibliothek Wolfenbüttel, dem Germanischen Nationalmuseum Nürnberg, dem Deutschen Historischen Institut Rom und dem Historischen Institut der Polnischen Akademie der Wissenschaften Warschau.
Das europäische Phänomen der Friedensrepräsentationen verlangt zudem nach einem grenzüberschreitenden und vergleichenden Zugriff. Die transdisziplinäre Arbeit mit einem gemeinsamen Quellenkorpus soll, aufbauend auf der vom Germanischen Nationalmuseum entwickelten Forschungsumgebung WissKI (http://wiss-ki.eu/), mit den Methoden eines »semantic web«–Ansatzes erfolgen. Die Friedensrepräsentationen der unterschiedlichen Gattungen werden dabei nach gemeinsam erarbeiteten Kriterien erschlossen und allen Beteiligten bereitgestellt.

Ein von Henning P. Jürgens bearbeitetes Teilprojekt befasst sich in diesem Rahmen mit Friedenspredigten, die aus Anlass von Friedensschlüssen gehalten wurden. Im Rahmen von Dank- und Festgottesdiensten waren die Predigten Bestandteil öffentlicher Friedensfeiern, erreichten so auch illiterate Schichten, wurden häufig anschließend gedruckt und erschlossen damit eine überregionale Öffentlichkeit. Das Forschungsprojekt untersucht die theologischen Argumentationsfiguren und homiletischen Konzepte dieser Predigten, fragt, welche Friedensbilder in ihnen geprägt und verbreitet wurden und problematisiert die Spannung zwischen gesprochenem Wort und schriftlicher Überlieferung. Zudem widmet es sich der politischen Funktion der Predigten und ihrer Einbindung in die öffentliche Festkultur im europäischen und konfessionellen Vergleich.


Abbildung: »Quando Iustitiae Pax oscula mutua iungit«, aus:
Jacob de Zetter, New Kunstliche Weltbeschreibung das ist Hundert auserlesener kunststuck, so von den Kunstreichsten Maistern dieser Zeit erfunden und gerisen worden, gegenwertigen Welt lauf und Sitten vor zu mahlen und uff besserung zu bringen: Nun mehr ins kupffer zusammen getragen mit kurtzen Lateinischen versen, auch Deütschen und Frantzösischen Reymen artig erklaret.
Francofurti: Theodor de Bry, 1614; [Online-Ausg.].
Permalink: http://diglib.hab.de/drucke/39-7-geom-2s/start.htm?image=00115
Copyright Herzog August Bibliothek Wolfenbüttel, CC BY-SA Lizenz.