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Migranten in Istanbul. Differenz und Zugehörigkeit in der Osmanischen Welt des 16. bis 18. Jahrhunderts

Im Fokus stehen die Selbst- und Fremdwahrnehmungen osmanischer Migranten in Istanbul zwischen dem 16. und 18. Jahrhundert. Die Stadt am Bosporus war eine der größten und buntesten Städte des frühneuzeitlichen Europas und Anziehungspunkt für Osmanen unterschiedlichster religiöser, ethnischer und sozialer Zugehörigkeiten. Türkische Tagelöhner aus Anatolien, griechische Kaufleute aus Kreta, arabische Gelehrte aus Syrien, tatarische Dichter von der Krim und viele andere zogen, in der Hoffnung auf Karriere, Arbeit und ein besseres Leben, aus den Provinzen in die Hauptstadt.

Die Zuwanderung stellte nicht nur den osmanischen Staat und gewachsene urbane Strukturen und soziale Gefüge vor erhebliche Herausforderungen, sondern auch die Migranten. Um in der fremden Großstadt eine neue Heimat zu finden und ihren Platz in der Stadtgesellschaft zu behaupten, mussten sie alte Verbindungen aktivieren und neue Netzwerke aufbauen, sich einem anderen Lebensstil anpassen und Strategien entwickeln, um Fremdheitserfahrungen und Heimweh zu bewältigen. Anhand ihrer vielschichtigen Bemühungen um Integration einerseits und die Bewahrung der eigenen Identität andererseits lässt sich nachzeichnen, wie Differenzen und Zugehörigkeiten subjektiv erfahren und immer wieder neu ausgehandelt und konstruiert wurden. Die Erfahrungen der osmanischen Migranten in Istanbul legen nahe, dass soziale und regionale Zugehörigkeiten in der osmanischen Welt des 16. bis 18. Jahrhunderts in einem komplexen, sich wandelnden Mischungsverhältnis mit den in der Forschung oft privilegierten Kategorien Religion und Ethnie standen.