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Die Entfaltung der Wittenberger Reformation mit ihren europäischen Wirkungen ist nicht auf einen einzelnen Urheber, nämlich den Reformator Martin Luther, zurückzuführen, sondern sie bedurfte weiterer, jeweils charakteristisch unterschiedlich wirkender Multiplikatoren. Dies kann nicht oft genug in Erinnerung zurückgerufen werden, zumal sich die Forschung bis heute überwiegend an den großen Spitzengestalten der Reformation orientiert. Die Wittenberger Frühjahrstagungen setzen dem die These entgegen, dass Luthers Wirken und die Wirkung der Wittenberger Reformation über die Grenzen der Stadt und das Kurfürstentum Sachsen hinaus nicht Ergebnis des Einsatzes einer Persönlichkeit und einer auf Luther allein fixierten Rezeption war, sondern von der gesamten Wittenberger Reformatorengruppe jener Zeit in vielfältiger Weise mitgetragen und eigenständig mitgestaltet wurde.
Unmittelbar einsichtig ist dies bei Philipp Melanchthon, der seinen Freund und Gesinnungsgenossen Martin Luther im Blick auf die europäische Ausstrahlung der Reformation sogar bei weitem überragt. Aber auch die anderen Glieder jenes Wittenberger »Reformatorenteams«, zu denen man vor allem Johannes Bugenhagen, Nikolaus von Amsdorf, Justus Jonas, Johann Agricola, Caspar Cruciger, Georg Rörer, Georg Major und nicht zuletzt Lukas Cranach d.Ä. zählen kann, haben in jeweils unterschiedlichem Einsatz und unter verschiedenen Schwerpunkten, aber in engem Austausch miteinander für die Verbreitung und Konsolidierung der Theologie Luthers und der Wittenberger Reformation mit ihren vielfältigen Einflüssen auf Politik und Gesellschaft gesorgt. Im Zuge dessen bildeten die Mitglieder dieses Reformatorenkollegiums durchaus eigene theologische Profile heraus und entfalteten Aktivitäten, die entscheidend zur europäischen Verbreitung und zu einer spezifischen – von Luther durchaus auch abweichenden – Ausprägung reformatorischen Gedankenguts beigetragen haben.
Unter dieser Perspektive geht es in den Wittenberger Frühjahrstagungen weniger um Bestandsaufnahme und »Bestandssicherung« bestehender Forschung, sondern vielmehr um eine forschungsperspektivisch neue Erschließung der vorhandenen Archivalien und gedruckten Quellen. Die regelmäßig im März in der Leucorea stattfindenden Konferenzen verstehen sich als »Arbeitsgespräche«, die zur Erprobung neuer Zugänge und zu offener interdisziplinärer Diskussion Gelegenheit bieten.
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