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Alte Universitätsstraße 19
55116 Mainz – Germany
Tel.: +49/6131/3939340
   
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EGO – Europäische Geschichte Online / European History Online

– zu erreichen unter http://www.ieg-ego.eu

Das Projekt

Europäische Geschichte Online, kurz: EGO, ist eine transkulturelle Geschichte Europas im Internet, die sich aus multimedialen Wissenseinheiten zu europäischen Transferprozessen von der Mitte des 15. bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts zusammensetzt. Autoren und Fachreferenten rekrutieren sich aus der internationalen Wissenschaftsgemeinschaft. EGO will die unterschiedlichen, teilweise nebeneinander herlaufenden Debatten verschiedener Forschungsperspektiven und Sprachräume zusammenführen. Das Projekt vernetzt die Träger und Nutzer der internationalen historischen Europaforschung und vollzieht gleichzeitig einen Medienwechsel für analytisch-problembezogene Gesamtdarstellungen in den historisch arbeitenden Wissenschaften.
Das Projekt wird vom Leibniz-Institut für Europäische Geschichte (IEG) Mainz herausgegeben und entsteht in Kooperation mit dem Kompetenzzentrum für elektronische Erschließungs- und Publikationsverfahren in den Geisteswissenschaften der Universität Trier. Die am Pilotphase des Projektes wurde von August 2007 bis Juni 2009 im Hochschulprogramm »Wissen schafft Zukunft« des Landes Rheinland-Pfalz gefördert. Die Projektphase erfolgt in den Jahren 2009–2013 und wird ab 2009 für zunächst zwei Jahre von der DFG gefördert.
Im Leibniz-Institut für Europäische Geschichte ist EGO ein Querschnittsprojekt,  das die programmgebundenen Forschungsbereiche und die Forschungswerkstatt verknüpft.

Ausgangspunkt: Das »Europäische Dilemma«

Ausgangspunkt der Initiierung einer transkulturellen Geschichte Europas im Internet ist die Frage, ob und wie die brüchig gewordenen ›Meistererzählungen‹ der nationalen Geschichtsschreibung durch eine oder mehrere europäische Meistererzählung(en) abgelöst werden können. In den letzten Jahrzehnten wurden zahlreiche Versuche unternommen, eine umfassende Geschichte Europas in der Neuzeit zu verfassen. Diese sind jedoch auf unterschiedliche Weise mit dem »Europäischen Dilemma« (Theodor Schieder) konfrontiert, nämlich die narrative Lücke zwischen nationalen / regionalen und universaleuropäischen Elementen zu schließen. Bereits seit den 1970er Jahren ist sich die Forschung einig, dass die nationalstaatliche zugunsten einer übergreifenden, transnationalen Perspektive aufzugeben sei. Allerdings ist ebenso unstrittig, dass gesamteuropäische Strukturüberblicke in der Regel oberflächlicher als eine detaillierte Analyse nationaler oder gar regionaler Entwicklungen sein müssen. Viele Überblicksdarstellungen trennen zudem ein ›Kern‹- oder ›Zentral‹-Europa von verschiedenen europäischen Peripherien. Das »Europäische Dilemma« gedruckter Synthesen besteht also auch darin, ›Europa‹ als eine stabile geographische Einheit konstruieren zu müssen, um übergreifende Entwicklungen in Europa zwischen zwei Buchdeckel pressen zu können. Die Beschränkungen, die linearen Publikationsformen inhärent sind, limitierten Versuche, das »Europäische Dilemma« zu überwinden, bereits im Vorhinein. An diesem Punkt setzt EGO an.

Perspektive: Europa als Kommunikationsraum

Die Europäische Geschichte Online begreift das Europa der Neuzeit als Kommunikationsraum, in dessen geographischer, kultureller, religiöser und politischer Vielfalt stetige unterschiedlich massierte und strukturierte, diachrone und synchrone, örtlich verdichtete und plurilokale Kommunikations- und Transferprozesse zwischen Individuen, Gruppen, Institutionen und anderen sozialen Einheiten stattfinden. Kommunikative Knotenpunkte entstanden und verschwanden in Zeit und Raum, graduell in ihrer Kontinuität bis hin zu Ausdünnung und Abriss einzelner Verbindungen abhängig von Themen, Medien, Konjunkturen und Agenten der Interaktion. Mittels der Analyse dieser cluster in systemischer Perspektive lässt sich eine dynamische Beziehung zwischen europäischen Zentren und Peripherien erarbeiten – und damit ein kontextgebundenes ›Europa‹-Verständnis. Dieser Zugang erlaubt eine multidisziplinäre Perspektive auf ein dynamisches, stets in Entwicklung begriffenes Europa und die sich wandelnden ›mental maps‹. Europäische Geschichte Online gibt nicht vor, damit einen narrativen Königsweg gefunden zu haben. Sie will vielmehr den europäischen Historiographien eine Dimension hinzufügen, die sie bisher aus ihren Meistererzählungen weitgehend ausgeschieden haben.

Inhalt: Europäische Transferprozesse

Europäische Geschichte Online setzt sich aus einzelnen Wissenseinheiten zusammen, die europäische Transferprozesse von der Mitte des 15. bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts abbilden und perspektivisch ein Mosaik der transkulturellen Geschichte Europas ergeben. Transferprozesse meinen die dynamische Wechselbeziehungen zwischen Ausgangsystem(en), Vermittlungsinstanz(en) und Zielsystem(en). Transferprozesse können sowohl inter- als auch intrakulturell verlaufen. Sie können zur Aneignung des Transferinhalts bis hin zur Akkulturation führen, aber auch zu Abgrenzung und Abwehr. Dazwischen liegt ein breites Spektrum der Adaption, Umformung und kreativen Neuschöpfung. Transferprozesse verlaufen stets reziprok. Sie wirken sowohl auf das Zielsystem als auch auf das Ausgangssystem ein, zumal dieses häufig erst in der Wahrnehmung des Zielsystems als solches konstituiert wird – und umgekehrt. Transferprozesse sind also ergebnisunabhängig. Die Untersuchung der so definierten Transferprozesse geht über die Rezeptionsforschung und die Beziehungsgeschichte hinaus. Neben der Frage, inwieweit der Kontext des Ziel- und des Ausgangssystems Transferinhalte adaptiert, beschneidet oder umdeutet und wiederum selbst durch diese verändert wird, unterscheidet sich die Analyse von Transferprozessen von der bilateral ausgerichteten Rezeptions- und Beziehungsgeschichte durch das Moment der, teils wechselseitigen, Interaktion.

Form: Medienwechsel

Das multimediale Potential des Internets dient den historischen Wissenschaften bislang vor allem für die Aufbereitung (Digitalisierung) und Präsentation von Quellen sowie sonstiger Ressourcen. Für fragestellungsgeleitete, analytisch-problembezogene Studien historischer Zusammenhänge wird das Internet bislang vor allem in Form von Aufsätzen für e-journals genutzt. Diese weisen, ebenso wie andere online publizierte Schriften, im Prinzip dieselbe lineare Textstruktur auf wie gedruckte Publikationen. Das Internet dient lediglich als Findmittel und Speichermedium. Zusammenhängende, analytische Darstellungen oder gar »virtuelle Handbücher« zur europäischen Geschichte, die das multimediale Potential des Internets ausschöpfen, sind bislang nicht realisiert worden.
Der komplexe Gegenstand von EGO allerdings lässt sich nicht in einer gedruckten linearen Publikation, sondern nur durch Einbindung multimedialer Elemente sowie über typisierte Links abbilden. Europäische Geschichte Online kombiniert auf diese Weise die wissenschaftliche Expertise und den Überblickscharakter eines Hand»buchs« mit den weit reichenden Recherche-, Erschließungs- und Darstellungsformen der neuen Medien. EGO basiert deshalb nicht allein auf gedruckter Quellen- und Forschungsliteratur, sondern greift konsequent auf wissenschaftliche Internet-Ressourcen zurück. Die Wissenseinheiten beziehen daher vielfältige – schriftliche, bildliche und akustische – Quellen aufeinander. Anstatt Daten zu aggregieren, bietet EGO eigenständige, fragestellungsgeleitete und problemorientierte Wissenseinheiten. EGO erschöpft sich somit nicht in bloßer wissenschaftlicher Serviceleistung, sondern vollzieht einen Medienwechsel für analytisch-problembezogene Gesamtdarstellungen in den historisch arbeitenden Wissenschaften.

Ansprechpartner

Hauptherausgeber: Irene Dingel, Johannes Paulmann

Projektsteuerung: Joachim Berger
E-Content: Ines Grund
Redaktion:
Lisa Landes, Christina Müller
Kontakt
: egoredaktion@ieg-mainz.de

Weitere Informationen:


 
     
 
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