Die Habsburgermonarchie, so die Meinung vieler Historiker, sei an ihren inneren Nationalitätenkonflikten, welche die Staatsloyalität auch lokal infrage gestellt und geschwächt hätten, gescheitert. Das Narrativ der von »Nationalitätenkonflikten heimgesuchten Donaumonarchie« blendet aber sowohl die komplexen lokalen Realitäten, als auch die Bedeutung anderer, nicht-nationaler, sogar »national indifferenter«, sozialer Phänomene und Praktiken, wie etwa Religiosität, Vereinsleben und Arbeitsmilieus vollkommen aus. Der US-amerikanische Historiker, Prof. Pieter M. Judson aus Florenz stellt daher in seinem Abendvortrag die althergebrachten Narrative infrage und schlägt für die Erforschung der Habsburgermonarchie eine viel komplexere und friedlichere, lokale Perspektive vor: Ein Imperium, das die Völker vor Ort als ihre Heimat empfinden konnten.
Der Vortrag findet innerhalb des Workshops »›Habsburg vor Ort‹ – lokale Realitäten und Herausforderungen imperialer Geltungsansprüche im Alltag der Donaumonarchie« (02.–03.02.2017) statt.
Die Veranstaltung ist Teil des von der DFG geförderten Emmy Noether-Programms.