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Arbeitsbereich Digitalität

Arbeitsbereich Digitalität der historischen Forschung: Methoden und Forschungsdaten

»Digitalität der historischen Forschung« ist am IEG ein transversaler Arbeitsbereich. Hier wird der digitale Werkzeug- und Methodeneinsatz am IEG in explorativen und kollaborativen Arbeitsformen erprobt und über die Integration von informatischen Methoden mit geschichtswissenschaftlichen Grundprinzipien die Entwicklung einer digitalen Hermeneutik befördert. Zugleich wirkt der Arbeitsbereich auch in die Arbeit der Bereiche »Gesellschaft« und »Religion« hinein, um dort Quellenkritik, Heuristiken und Analysen mit digitalen Werkzeugen und Verfahren zu unterstützen. Im Europa-Forum wird die digitale Transformation und die damit einhergehenden Ein- und Entgrenzungen als eine Grundfrage der historischen Europa-Forschung aufgegriffen. Dem Austausch und der Weiterbildung zu digitalen Verfahren und Werkzeugen innerhalb des IEG dienen vielfältige Formate, wie informelle Veranstaltungen, offene Sprechstunden und individuelle Beratungssitzungen.
 

Aktuelles aus dem Arbeitsbereich – in Vorbereitung

Veröffentlichungen (in Auswahl)

Aschauer, Anna/Cremer, Fabian/Czolkoß-Hettwer, Michael: Publikation von Forschungsdaten in der Geschichtswissenschaft (Open Educational Resource), 2020. URL: https://doi.org/10.5281/zenodo.4300275.
Barget, Monika: Visualizations of geographic data in historical research as tools of exploration and education, in: Springer Lecture Notes in Computer Science, Heidelberg 2022, S. 3–19. URL: https://link.springer.com/chapter/10.1007/978-3-031-18158-0_1.
Berger, Joachim, Wübbena, Thorsten (Hg.): Wissen ordnen und entgrenzen – vom analogen zum digitalen Europa?, Göttingen 2023 (VIEG Beiheft 141; Ein Europa der Differenzen 4).  URL: https://doi.org/10.13109/9783666302312.
Geraerts, Jaap: Priests’ Libraries in the Seventeenth-Century Dutch Republic, in: Adams, Robyn/Glomski, Jacqueline (Hg.), Seventeenth-Century Libraries: Problems and Perspectives, Leiden 2023, S. 96–120. URL: https://doi.org/10.1163/9789004429819_006.
Paulmann, Johannes/Wood, John Carter/Cremer, Fabian/Wübbena, Thorsten u. a.: NFDI4Memory. Consortium for the Historically Oriented Humanities. Proposal for the National Research Data Infrastructure (NFDI), 12.12.2022. URL: https://zenodo.org/record/7428489.
Petz, Cindarella/Ghawi, Raji/Pfeffer, Jürgen: Tracking the Evolution of Communities in a Social Network of Intellectual Influences, in: Journal of Historical Network Research 7/1 (2022), S. 114– 154.               URL: https://doi.org/10.25517/jhnr.v7i1.146.
Vasques Filho, Demival/O'Neale, D. R.: Transitivity and degree assortativity explained: The bipartite structure of social networks, in: Physical Review E 101/5 (2020), 052305.       URL: https://doi.org/10.1103/PhysRevE.101.052305.
Błoch, Agata/Vasques Filho, Demival/Bojanowski, Michał: Networks from archives: Reconstructing networks of official correspondence in the early modern Portuguese empire, in: Social Networks 69 (2022), S. 123–135. URL: https://doi.org/10.1016/j.socnet.2020.08.008.
The Bomber‘s Baedeker. A Guide to the Economic Importance of German Towns and Cities, TEI/XML-Dataset1 and -Software (Quick TEI)2         
1 Thorsten Wübbena / Martina Gödel, 07.09.2022. URL: https://zenodo.org/record/7056750   
2 Schepp, Moritz / Thorsten Wübbena, 31.10.2022. URL: https://github.com/ieg-dhr/QTEI.
Wübbena, Thorsten: Von Warburg zu Wikidata – Vernetzung und Interoperabilität kunsthistorischer Datenbanksysteme am Beispiel von ConedaKOR, in: Hastik, Canan/Hegel, Philipp (Hg.), Bilddaten in den Digitalen Geisteswissenschaften, Wiesbaden 2020, S. 133–148. URL: https://doi.org/10.13173/9783447114608.

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Ziele

Die Zukunft der historischen Forschung wird durch digitale Technologien geprägt, die Methodik, Prozesse und Praktiken erweitern und die Reproduktion, Repräsentation, Analyse und Interpretation von historischen Quellen unterstützen und beeinflussen. Die digitale Transformation verändert neben der Forschung jedoch auch ihre Einrichtungen, so dass es einer kritischen Reflexion über die institutionellen, gesellschaftlichen und ökonomischen Bedingungen der aktuellen Digitalisierung bedarf. Das IEG widmet sich dem gesamten Spektrum des digitalen Wandels und gestaltet diese Transformation aktiv mit.

»Digitalität der historischen Forschung« ist am IEG ein transversaler Arbeitsbereich. Hier wird der digitale Werkzeug- und Methodeneinsatz am IEG in explorativen und kollaborativen Arbeitsformen erprobt und über die Integration von informatischen Methoden mit geschichtswissenschaftlichen Grundprinzipien die Entwicklung einer digitalen Hermeneutik befördert. Zugleich wirkt der Arbeitsbereich auch in die Arbeit der Bereiche »Gesellschaft«, »Religion« und perspektivisch »Umwelt« hinein, um dort Quellenkritik, Heuristiken und Analysen mit digitalen Werkzeugen und Verfahren zu unterstützen. Im Europa-Forum wird die digitale Transformation und die damit einhergehenden Ein- und Entgrenzungen als eine Grundfrage der historischen Europa-Forschung aufgegriffen. Dem Austausch und der Weiterbildung zu digitalen Verfahren und Werkzeugen innerhalb des IEG dienen vielfältige Formate, wie informelle Veranstaltungen, offene Sprechstunden und individuelle Beratungssitzungen.

Das IEG legt großen Wert auf Qualitätssicherung, Dokumentation und Archivierung von digitalen Forschungsdaten und fördert ihre Nachnutzbarkeit gemäß den FAIR-Prinzipien. Der Umgang mit Daten wird als integraler Bestandteil der digitalen Methoden in der historischen Forschung betrachtet und im Rahmen der Forschungsvorhaben des IEG werden Datenräume aus europäischen und kolonialen Kontexten multiperspektivisch untersucht. Die zugrundeliegende Forschungsethik fußt dabei auf einer historisch-kritischen Auseinandersetzung mit der Genese und Modellierung der Daten, der verwendeten Software sowie der Provenienz und den Bedingungen des Datenzugangs. Mit dem DH Lab verfügt das IEG über Kompetenzen und Ressourcen für das Management und die Kuration von Forschungsdaten und trägt damit zur langfristigen Verfügbarkeit, Nutzbarkeit und Archivierung von Forschungsdaten und digitalen Sammlungen am IEG bei. Das Forschungsdatenmanagement wird am Institut auf drei Ebenen betrieben und entwickelt: individuelle Forschungsunterstützung, institutionelle Verfahren und Dienste am IEG sowie die Mitgestaltung fachspezifischer Entwicklungen in den historischen Wissenschaften.

Im Rahmen der »Offenen Wissenschaft« werden Produkte und Prozesse der Forschung am IEG für andere Forschende und die interessierte Öffentlichkeit zugänglich gemacht, und das IEG setzt sich für eine institutionelle Kultur der Offenheit ein, indem Ergebnisse aus der Forschung transparent kommuniziert werden. Das IEG stellt im Rahmen von »IEG digital« Datensammlungen und Informationssysteme für die Forschung und die Öffentlichkeit langfristig bereit. Dieses institutionelle Angebot wird kontinuierlich kuratiert und weiterentwickelt. Der Arbeitsbereich bietet zudem vielfältige Vermittlungs- und Transferformate wie Lehrveranstaltungen, Qualifizierungs- und Austauschangebote sowie öffentliche Veranstaltungen an, um die Teilhabe an einer digitalen, offenen historischen Forschung zu fördern.

Das IEG betont die Bedeutung der Zusammenarbeit zwischen verschiedenen Akteuren wie Forschung, Lehre, Gedächtniseinrichtungen und Forschungsinfrastrukturen, um den Herausforderungen des digitalen Wandels in den historisch arbeitenden Geisteswissenschaften zu begegnen. Die Mitarbeit in institutionsübergreifenden Netzwerken, Arbeitsgruppen und Gremien bildet als Kompetenznetzwerk einen Grundbaustein für die Kompetenz- und Angebotsvielfalt der digitalen historischen Forschung am IEG. Das engagiert sich in wissenschaftlichen Organisationen und Infrastrukturverbünden, vor allem in der Koordination des Konsortiums NFDI4Memory. Das 4Memory-Konsortium vereint Forschungseinrichtungen, Gedächtnisinstitutionen und Informationsinfrastrukturen aus den historisch arbeitenden Geisteswissenschaften. NFDI4Memory entwickelt ein Portfolio von Schlüsseldiensten, die historische Wissenschaft und digitale Ressourcen systematisch miteinander verknüpfen.

Über die Entwicklungen und Aktivitäten in diesem Arbeitsbereich versteht sich das Institut als Ansprechpartner für digitale Methodik in den historischen Wissenschaften. Damit will das IEG auch dazu beitragen, die historische Methodik noch stärker in die Digitalität interdisziplinärer Wissenschaft einzubinden.

Arbeitsschwerpunkte 2024/2025

Der transversale Arbeitsbereich führt alle Aktivitäten zur »Digitalität der historischen Forschung« am IEG zusammen. Weiterhin wird der digitale Werkzeug- und Methodeneinsatz am IEG in explorativen und kollaborativen Arbeitsformen erprobt und die Entwicklung einer digitalen Hermeneutik befördert. Auch die Forschungs- und Infrastrukturverbünde, wie DigiKAR oder NFDI4Memory (s.u. S. 12), sowie die individuellen Projekte aller Forschenden am IEG, die digitale Methoden einsetzen und reflektieren, gestalten den Arbeitsbereich. Zugleich verzahnen sich die Aktivitäten zur »Digitalität« mit den anderen Arbeitsbereichen.

Die Weiterentwicklung digitaler Methoden und die Analyse historischer Forschungsdaten auf Basis formaler Modellierung historischer Fragestellungen bilden einen archimedischen Punkt im Arbeitsbereich. Hier kann die Vielfalt der eingesetzten Verfahren und Methoden in den Projekten am IEG gebündelt werden. Aufbauend auf den Ergebnissen und Arbeitsformen des bisherigen Bereichs Digitale Historische Forschung | DH Lab werden die bisherigen Forschungsfragen und Schwerpunkte im Bereich der historischen Netzwerkanalyse sowie der Strukturierung und Visualisierung historischer Räume vertieft als auch neue Themen erschlossen.

Eine weitere Kernaufgabe bildet die Entwicklung einer fachspezifischen Datenkritik, welche die historische Quellenkritik um vertiefte Kenntnisse von Datenstrukturen, Algorithmen und Infrastrukturen erweitert. Datenmanagement im IEG wird als integraler Bestandteil des historischen Forschungsprozesses betrachtet und bildet damit auch ein zentrales Element in der Methodenentwicklung im DH Lab. Die Entwicklung und Umsetzung von fachspezifischen Standards und Richtlinien wird durch die Arbeit in NFDI4Memory, den Forschungsverbünden, institutionellen Gremien und durch diverse Formen der Wissenschaftskommunikation realisiert.

Der Arbeitsbereich lädt die wissenschaftlichen Mitarbeiter:innen des IEG regelmäßig im Jahr zur Veranstaltung »60 minutes of DH« ein, um sich gemeinsam mit Werkzeugen, Methoden und Literatur aus dem Feld der Digital Humanities auseinanderzusetzen sowie Einblicke in die internationale Projektlandschaft zu geben. Neben individuellen oder projektbezogenen Beratungen bietet die »Open Garage« ein offenes Treffen für erste Ideen, allgemeine Fragen und konkrete Anliegen zu digitalen Werkzeugen, Methoden und Forschungsdaten.

In den regionalen, nationalen und internationalen Forschungsinfrastrukturverbünden steht der weitere Ausbau der Nationalen Forschungsdateninfrastruktur (NFDI) im Vordergrund, zu der das IEG insbesondere durch die Rollen im Konsortium NFDI4Memory als Sprecher, Koordinationsbüro und Beteiligung des DH Lab umfassend beiträgt. Neben der Beteiligungen an NFDI-Aktivitäten engagiert sich das IEG im Verein »Geistes- und kulturwissenschaftliche Forschungsinfrastrukturen e.V.« und bildet mit vielen Partnereinrichtungen einen Knotenpunkt für nationale und internationale Entwicklungen, darunter zum europäischen Forschungsinfrastrukturprojekt DARIAH-EU ERIC. Im neu gegründeten und BMBF-geförderten Datenkompetenzzentrum HERMES (Humanities Education in Research, Data, and Methods) werden ab 2024 neue Formate des Lernens, Forschens und Vernetzens für die Vermittlung von Datenkompetenzen in den Geistes- und Kulturwissenschaften erprobt.
Im Arbeitsbereich »Digitalität« werden die bisherigen Entwicklungen von technischen und organisatorischen Lösungen für die nachhaltige Bereitstellung digitaler Forschungsressourcen weiter vorangetrieben. Der Bereich ermöglicht zudem vielfältige Vermittlungs- und Transferformate wie Lehrveranstaltungen, Qualifizierungs- und Austauschangebote sowie öffentliche Veranstaltungen, welche die Teilhabe an einer digitalen, offenen historischen Forschung fördern und sich dem Desiderat einer fachspezifischen Digital Literacy weiter annähern werden.