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Dass Gerechtigkeit und Friede sich küssen – Repräsentationen des Friedens im vormodernen Europa

Irene Dingel, Johannes Paulmann, Henning P. Jürgens (Koordination) 2015–2018
Förderung: Wettbewerbsverfahren der Leibniz­-Gemeinschaft
Partner: HAB, GNM, DHI Rom, IHPAN
 
Die mehr als 2000 Friedensschlüsse im Europa der Frühen Neuzeit bedurften der Vermittlung und Würdigung durch Friedensrepräsentationen, um sie im öffentlichen Bewusstsein zu verankern. Solche Friedensdarstellungen waren multimediale Phänomene, die als Formen symbolischer Kommunikation auch in ritualisierter Weise verwendet wurden. Das den verschiedenen Medien gemeinsame Vokabular der Friedensdarstellungen zu erforschen und zu analysieren, war ein Ziel des internationalen und interdisziplinären Leibniz­-Wettbewerbsprojekts. Es erarbeitete nicht nur eine Bestandsaufnahme der Motivik und deren Rezeption, sondern fokussierte auch die unterschiedlichen Funktionen, in deren Dienst die Friedensbilder gestellt wurden.


Um zu illustrieren, wie die Friedensmotive transdisziplinär verwendet und zugleich individuell gedeutet wurden, lassen sich die Arbeitsfelder der interdisziplinären Projektpartner exemplarisch anhand eines typischen Friedensmotivs vorstellen, das in allen beteiligten Disziplinen zur Vermittlung des Friedens genutzt wird: das Motiv der Tore des Janustempels, die zu Friedenszeiten geschlossen sind.

In der Musik ist dieses Motiv nicht nur in der Kantate, sondern auch in verwandten Genres wie Serenata, Oper und Oratorium präsent und spiegelt zugleich die Hybridität der musikalischen Gattungen dieser Zeit. Exemplarisch lässt sich eine Cantata anführen, die im spanisch regierten Neapel anlässlich des Friedens von Rijswijk 1697 zum Ende des Pfälzischen Erbfolgekriegs komponiert wurde: In ihr verweist das Janus­Motiv auf einen lokalen politischen Konflikt und spielt direkt auf die an den neapolitanischen Vizekönig gerichtete Friedensbitte an.

Das Bild des Janustempels wird gleichermaßen in der Dichtkunst genutzt und kennzeichnet auch hier den Übergang von Krieg zum Frieden. So heißt es 1650 in einem »Ruhm­ und Dancklied« von Wolfgang Ferber: »Macht Janus Tempel zu / Gott Lob / es ist vorhanden / Der offt gewünschte Fried / in unsern deutschen Landen.«

Die häufigste Darstellung des Janustempels in der Kunst findet sich auf antiken und frühneuzeitlichen Münzen, aber gelegentlich auch in der Druckgrafik. Das Motiv spiegelt allerdings nicht die politischen Gegebenheiten der Frühen Neuzeit wider, sondern versucht, einen idealisierten Friedenszustand zu propagieren.

Als Friedensmotiv, das auf die Verehrung einer römischen, also heidnischen Gottheit Bezug nimmt, gehörte die Schließung der Tore des Janustempels nicht zu den Gegenständen, die man in einer christlichen Friedenspredigt erwarten würde. Gleichwohl finden sich Erwähnungen des Janustempels auch in einigen Predigten, etwa in einer Predigt von Tobias Wagner aus Esslingen 1650. Ob in Überbietung von oder Abgrenzung zu der heidnischen Praxis: Die Friedensprediger der Frühen Neuzeit kannten und verwendeten zwar das Motiv des Janustempels, deuteten es allerdings christlich um.

Alle diese Friedensrepräsentationen, welche die Projektmitarbeitenden während der Laufzeit des Projekts zusammengetragen, kategorisiert und analysiert haben, fanden Eingang in eine gemeinsame Forschungsdatenbank. Aus ihr wird auch die virtuelle Ausstellung gespeist, die unter dem »Themenportal Friedensrepräsentationen« demnächst frei zugänglich im Netz zu finden sein wird (www.friedensbilder.net).

Das Projekt endete im Juni 2018 mit einer Abschlusstagung, auf der die gemeinsamen Ergebnisse mit Fachleuten der beteiligten Disziplinen diskutiert wurden und deren Vorträge ebenfalls auf dem Portal veröffentlicht werden.



Abbildung: »Quando Iustitiae Pax oscula mutua iungit«, aus:
Jacob de Zetter, New Kunstliche Weltbeschreibung das ist Hundert auserlesener kunststuck, so von den Kunstreichsten Maistern dieser Zeit erfunden und gerisen worden, gegenwertigen Welt lauf und Sitten vor zu mahlen und uff besserung zu bringen: Nun mehr ins kupffer zusammen getragen mit kurtzen Lateinischen versen, auch Deütschen und Frantzösischen Reymen artig erklaret.
Francofurti: Theodor de Bry, 1614; [Online-Ausg.].
Permalink: http://diglib.hab.de/drucke/39-7-geom-2s/start.htm?image=00115
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