Mainz, 12.06.2025 – Am 1. August 1975 unterzeichneten die Staats- und Regierungschefs von 33 europäischen Staaten sowie der USA und Kanadas in Helsinki die Schlussakte der Konferenz über Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (KSZE). Der Text markierte einen Meilenstein der internationalen Ordnungspolitik: Achtung der Souveränität der Staaten, der Menschenrechte und Grundfreiheiten sowie die Verpflichtung zur friedlichen Konfliktbeilegung sollten dauerhaft die Ost-West-Beziehungen prägen.
Anlässlich des 50. Jahrestags der Unterzeichnung lädt das IEG im Rahmen der Veranstaltungsreihe „Reden wir über Europa!“ zu einer Podiumsdiskussion ein, die Geschichte, Wirkung und heutige Relevanz der KSZE-Schlussakte kritisch reflektiert. Vor dem Hintergrund des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine und zunehmender geopolitischer Spannungen stellt sich die Frage nach der Tragfähigkeit der 1975 formulierten Prinzipien: Was bleibt vom „Geist von Helsinki“ – und inwiefern kann er eine Orientierung für Europas Gegenwart und Zukunft bieten?
Über die Diskutantinnen und Diskutanten:
· Prof. Dr. Katharina Kunter, Professorin für Kirchengeschichte an der Universität Helsinki, untersucht die Rolle christlicher Akteure in politischen Transformationsprozessen. Bereits in ihrer Dissertation analysierte sie die Einflussnahme von Kirchen während der Entspannungspolitik der 1970er Jahre. In ihren aktuellen Forschungen befasst sie sich mit christlicher Opposition in kommunistischen Staaten, dem Verhältnis von Christentum und Menschenrechten sowie der Rolle religiöser Akteure im Kontext des russischen Angriffskriegs.
· Dr. Sandra Dahlke, Direktorin des Netzwerks Osteuropa der Max Weber Stiftung, ist Expertin für die Geschichte des Russischen Reichs, der Sowjetunion sowie für das Verhältnis zwischen Ideologie, Religion und Herrschaft. Als ehemalige Direktorin des Deutschen Historischen Instituts Moskau – bis zur Schließung durch die russische Regierung – bringt sie sowohl tiefgehende historische Kenntnisse als auch aktuelle Erfahrungen mit der russischen Staatsführung ein.
· Dr. Kai Hebel, Assistant Professor für Internationale Beziehungen an der Universität Leiden, forscht zu
internationaler Sicherheit, Diplomatie, transatlantischen Beziehungen und Theorien internationaler Beziehungen. Er beleuchtet die langfristigen Wirkungen der KSZE-Schlussakte auf Sicherheitsarchitekturen und außenpolitisches Handeln
Europas.
Die Diskussion moderiert Prof. Dr. Johannes Paulmann, Direktor des Leibniz-Instituts für Europäische Geschichte.
Zentrale Fragen der Veranstaltung sind:
· Welche historische Wirkung hatte die Schlussakte von Helsinki auf Politik und Sicherheit?
· Welche Rolle spielten zivilgesellschaftliche Akteure?
· Was bedeutet der „Geist von Helsinki“ heute? Welche Handlungsmöglichkeiten besitzen Zivilgesellschaft und Diplomatie im Jahr 2025?
Zum IEG: Das IEG ist ein selbstständiges außeruniversitäres Forschungsinstitut in Mainz. Seine Aufgabe ist die wissenschaftliche Erforschung der europäischen Geschichte. Es erfüllt diese Aufgabe durch Einzel- und Gemeinschaftsvorhaben seiner Beschäftigten sowie der in- und ausländischen Forschungsstipendiatinnen und -stipendiaten. Seit 2012 ist das Institut Mitglied der Leibniz-Gemeinschaft.
Pressekontakt:
Juliane Schwoch, Telefon: +49 6131 39 393 43, E-Mail: schwoch@ieg-mainz.de