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Aram Mattioli *


Inhaltsverzeichnis
Denkstil »christliches Abendland«. Eine Fallstudie zu Gonzague de Reynold

Gliederung: Literaturverzeichnis

Anmerkungen
Zitierempfehlung

Text:

I.

»Europa« gehört nicht nur zu den vielen Chamäleonbegriffen der politisch-sozialen Sprache. Das Reden über »Europa« ist auch in einem hohen Maße diskursiv standardisiert.[1] Deshalb lassen sich die meisten Europa-Konzeptionen spezifischen Denkstilen zuordnen, die unter anderem abhängig sind von Milieuprägungen, Generationenzugehörigkeiten, Gegenwartserfahrungen und weltanschaulichen Grundhaltungen. Über Denkstil-Analysen lassen sich nicht nur Denkschemata und ihre impliziten wie expliziten Gegenwartsbezüge herauspräparieren, sondern müssen auch die spezifischen Zeiterfahrungen der sie tragenden Denkkollektive in den Blick geraten. Wenn im Folgenden die Europa-Konzeption des Freiburger Kulturhistorikers Gonzague de Reynold (1880–1970) thematisiert wird, interessiert diese also nicht als unverwechselbare und schon gar nicht als originelle Denkleistung, sondern als rechtskatholische Variante eines wirkungsmächtigen Denkstils, der seine Blütezeit zwischen 1920 und 1960 hatte.

II.

In den Debatten um Europa rivalisierten noch in der Wirtschaftswunderwelt der 1950er-Jahre eine Reihe unterschiedlicher Konzepte miteinander. Die heute »so selbstverständliche Gleichsetzung von liberaler Demokratie, Pluralismus und ›Europa‹«[2], hat Vanessa Conze unlängst zu Recht bemerkt, war in den beiden ersten Nachkriegsjahrzehnten nur ein europäisches Projekt unter anderen. Nach den Verheerungen des Zweiten Weltkrieges und seinen tief greifenden Folgen für den Kontinent galten zwar hegemoniale, faschistische und nationalsozialistische Europaideen wie die »Mitteleuropas«, der »Universalità di Roma« und der »Neuen Ordnung« als hoffnungslos diskreditiert, und über die rechtslastigen Projekte des »Reiches« und der Donauföderation war die Zeit hinweggegangen.[3] Eine erstaunliche Lebenskraft legte dagegen auch nach 1945 die bereits in der Romantik als Kritik an der entstehenden Fabrik- und Maschinenwelt erfundene Abendland-Idee an den Tag. Bis um das Jahr 1960 war das »zu erneuernde und bedrohte ›christliche Abendland‹«[4] ein inflationär beschworener Topos, und zwar nicht nur in der Bundesrepublik Deutschland, der Republik Österreich und der Schweiz, sondern – was in der deutschsprachigen Forschung zumeist zu wenig berücksichtigt wird – auch in Frankreich, Belgien, Italien und auf der iberischen Halbinsel.

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Obwohl das Zauberwort »Abendland« im heraufziehenden Kalten Krieg sehr Unterschiedliches bedeuten konnte und es keineswegs bloß in den Schriften konservativer und katholischer Akademiker auftauchte[5], handelte es sich doch um einen Denkstil[6], der vor allem in rechtskatholischen, häufig der Amtskirche und der hohen Politik nahe stehenden Bildungsmilieus verbreitet war.[7] »Christliches Abendland« stand im antiliberalen Denkstil konservativer Katholiken für die gemeinsamen kulturellen Wurzeln der West-, Mittel- und Südeuropäer in einem ideal gedachten Hochmittelalter. Die streng konservativen Abendländer, unter denen sich auffällig viele Akademiker, Politiker und Offiziere adliger Herkunft fanden, bauten nach 1945 ein auf Öffentlichkeit zielendes konservatives Netzwerk aus, zu dem Zeitschriften (»Neues Abendland«), Akademien und Organisationen wie das Centre Européen de Documentation et Information (CEDI) gehörten. Das 1952 auf Anregung des späteren Franco-Ministers Alfredo Sánchez Bella gegründete CEDI, dem bis 1960 Otto von Habsburg als Ehrenpräsident vorstand, betätigte sich als politische Lobby für das von Caudillo Francisco Franco mit eiserner Faust regierte Spanien. Viele Mitglieder des CEDI sahen in Francos Diktatur ein Regime, in dem viele Elemente einer wahrhaft christlichen Gesellschaft verwirklicht waren.[8] Das von Antonio de Oliveira Salazar autoritär regierte Portugal hielten einige von ihnen für den »bestregierten Staat Europas«. Eine ähnliche Haltung legte auch Papst Pius XII. an den Tag, der autoritäre Diktaturen in katholischen Ländern wie Portugal, Spanien und Brasilien keineswegs ablehnte, sondern sie nur schon ihres militanten Antikommunismus wegen schätzte und zur Wertegemeinschaft des »christlichen Abendlandes« zählte.[9]

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Ein idealtypischer Vertreter des abendländischen Denkstils und rechtskatholischen Denkkollektivs war der Aristokrat Gonzague de Reynold, der von 1931 bis 1950 an der Universität Fribourg »Histoire des civilisations« lehrte. Erstaunlicherweise ist dieser wirkungsmächtige Historiker, dessen Werke in den katholischen Bildungsmilieus Westeuropas bis in die 1960er Jahre über alle Sprachgrenzen hinaus intensiv gelesen und rezipiert wurden, heute fast vollständig vergessen. De Reynold galt im Jahrzehnt, als der europäische Integrationsprozess mit der Gründung des Europarates (1949) und der Unterzeichnung der »Römischen Verträge« (1957) seinen Anfang nahm, als einer der führenden Europa-Historiker weltweit.[10] Der konservative Kulturhistoriker verdankte sein internationales Renommee dem sieben Bände umfassenden Monumentalwerk »La Formation de l’Europe«, das seit 1944 auf Französisch und wenig später auch in einer gekürzten spanischen Übersetzung erschien.

Schon der schiere Umfang seines Hauptwerkes, aber auch dessen klassisch-humanistische und katholische Grundierung verschafften Gonzague de Reynold im Europadiskurs des Kalten Krieges eine herausgehobene Stellung. Noch 1959 legte der Freiburger Professor anlässlich der Salzburger Hochschulwochen als Experte für das Abendland-Thema seine Ansichten zu den kulturellen Grundlagen Europas und den Zukunftsaussichten der europäischen Integration dar.[11] Bekannte Persönlichkeiten wie der französische Außenminister Robert Schuman, der Kaisersohn Otto von Habsburg und der Politologe André Siegfried verehrten de Reynold als bedeutenden Denker. 1955 bekannte Robert Schuman, immerhin einer der Gründerväter des modernen Europa, dass die geistige Begegnung mit dessen Opus magnum entscheidend für sein wachendes europäisches Engagement gewesen sei.[12] Für das Jahr 1957 schlug die Universität Fribourg ihren Emeritus der Königlich Schwedischen Akademie der Wissenschaften sogar für den Literaturnobelpreis vor. Bezeichnenderweise begründete der Dekan der Philosophisch-Historischen Fakultät de Reynolds Nominierung damit, dass sich dieser mit »La Formation de l’Europe« zum Verteidiger der »abendländischen Kultur« aufgeschwungen und sich zu einem beredten Anwalt eines föderalistischen Europas gemacht habe.[13]

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III.

Kaum einer seiner zahlreichen Bewunderer störte sich im Kalten Krieg noch daran, dass der 1880 geborene Nobelpreisanwärter zwanzig Jahre zuvor als einer der Meisterdenker der autoritären Rechten von sich reden gemacht und dass seine Europa-Konzeption lange Zeit im Dienste einer antidemokratischen Gegenutopie gestanden hatte.[14] Zum Ärger des Establishments in der demokratischen Schweiz hatte sich schon der junge Gonzague de Reynold darin gefallen, seine Welthaltung als die eines »Reaktionärs«[15] zu umschreiben. Freilich gaben ihm die katholisch-aristokratischen Milieueinflüsse seiner Jugend den Horizont vor, an dem er die Wirklichkeit des 20. Jahrhunderts maß. Als kleinem Landadligen blieb ihm die industrielle Zivilisation stets genauso fremd wie die Aufklärung und der aufklärerische Geist der Moderne, die offene Gesellschaft und die liberale Demokratie. Die fortschreitende Säkularisierung der Welt empfand er als Abfall von der göttlichen Schöpfungsordnung und die Demokratisierung des politischen Lebens als Verstoß gegen die natürliche Ungleichheit der Menschen. Gonzague de Reynold blieb zeitlebens ein Repräsentant jener vorindustriellen Eliten, die sich der Moderne aus innerster Überzeugung verweigerten und dem beschleunigten sozialen Wandel einen traditionalistisch motivierten Widerstand entgegensetzten.[16]

Wie andere Abendländer seiner Generation sehnte er in der Zeit der Weltkriege eine umfassende Rechristianisierung Europas herbei. Parallel dazu entwickelte er starke Sympathien für die faschistische Diktatur in Italien und begann Benito Mussolini, von dem er 1927 das erste Mal in Privataudienz empfangen wurde, wie zahlreiche Konservative als bedeutenden Staatsmann zu verehren. Als er 1929 das politische Manifest »La Démocratie et la Suisse. Essay d’une philosophie de notre histoire nationale« veröffentlichte, stellte ein überparteiliches Komitee im Kanton Bern offen die Frage, ob Gonzague de Reynold mit seinen systemfeindlichen Überzeugungen an einer Universität eines demokratischen Landes weiter tragbar sei. Nach seiner Berufung nach Fribourg machte er sich in den dreißiger Jahren einen Namen als wirkungsmächtigster Vordenker der »nationalen Revolution« in der Schweiz. Im Windschatten der antidemokratischen Machtergreifungen in Europa plädierte er offen für eine autoritäre Umgestaltung der Schweiz.[17]

Wie vielen anderen Abendländern war ihm der »Estado novo«, dem er in seinem 1936 erschienenen (und zwei Jahre später ins Deutsche übersetzten) Buch »Portugal« ein Denkmal setzte, Vorbild und Inspirationsquelle. In dem von Antonio de Oliveira Salazar autoritär regierten Land fand er das, wonach er jahrelang gesucht hatte: den Idealtyp des »Etat chrétien«. Der Lissaboner Machthaber, der seine Untertanen mit eiserner Faust regierte, hätte von Gonzague de Reynold kein größeres Lob erhalten können als die ernst gemeinte Empfehlung, dass die Nationen Europas gut daran täten, sich möglichst rasch zu »portugalisieren«.[18] Durch und durch katholischer Aristokrat, der in den Kulturtraditionen des französischen Ancien Régime verwurzelt war, konnte er dagegen mit dem totalitären, völkischen, plebejischen und kirchenfeindlichen »Dritten Reich« nur wenig anfangen.[19]

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Die Europa-Konzeption des Freiburger Professors, der die Schweiz zwischen 1922 und 1938 in der prestigereichen Völkerbundskommission für intellektuelle Zusammenarbeit vertrat, stand von Anfang an im Dienste seiner Gegenwartsüberzeugungen. Ihre argumentative Kraft bezog sie aus einem kulturkritischen Krisendiskurs, in dem die Behauptung zentral war, dass die moderne europäische Kultur dekadent und in ihrer gegenwärtigen Form nicht zukunftsfähig sei. Bereits im Sommer 1925 hatte er in der Wiener Wochenzeitschrift »Das Neue Reich« eine kleinere Abhandlung unter dem Titel »Zum Problem: Untergang des Abendlandes« erscheinen lassen, in der er die in Oswald Spenglers Bestseller entwickelten Thesen bestätigte.[20] Unter dem Eindruck der Weltwirtschaftskrise faßte er seine kulturpessimistischen Gegenwartsdiagnosen im Kultbuch »L’Europe tragique«, das 1934 bei »Spes« in Paris erschien, systematisch zusammen. Darin variierte er das Bild vom »verwundeten, dem kranken, dem blutenden und schmerzgequälten Europa«[21], das untergehen werde, weil sich die liberale Zivilisation gänzlich erschöpft habe. Am Horizont würden sich bereits die Konturen einer »neuen Welt« abzeichnen, in denen christliche Monarchien und andere autoritäre Systeme das Sagen haben würden. In dieser »neuen Welt« sei kein Platz mehr für Demokratien. Selbst die Schweiz müsse, wenn sie nicht im Strudel der Weltereignisse untergehen wolle, zu ihren »wahren Traditionen« zurückfinden, endlich ihre demokratische Staatsform überwinden und zu einem autoritären Regime werden, an dessen Spitze ein diktatorisch regierender Landammann stehe.[22]

Mit seinen Endzeitvisionen übte Gonzague de Reynold eine Fundamentalkritik am modernen Europa, das seit der Französischen Revolution auf eine abschüssige Bahn geraten und seiner »wahren Mission« untreu geworden sei. Für ihn bestand die Sendung Europas darin, auf der Grundlage seines antiken und christlich-humanistischen Kulturerbes wieder so zu erstarken, damit es in der Welt erneut jene Führungsrolle übernehmen könne, die der Kontinent nach dem Ersten Weltkrieg an die USA und die Sowjetunion verloren hätte. In der spätkolonialen Welt gehörte de Reynold zu jenem Kreis von Politikern, Gelehrten und Intellektuellen, die noch immer an die Möglichkeit und Wünschbarkeit europäischer Überlegenheit über die restliche Welt glaubten.[23] Europa für den Mittelpunkt der Welt haltend, wandte er sich nicht nur gegen eine fortschreitende Amerikanisierung der Kultur, sondern warnte auch vor der »Schwäche des durch den Kommunismus angefaulten Europa«[24]. Die Sowjetunion, dieser Inbegriff von »Anti-Europa«[25], verkörperte für ihn alles, was ihm an der Moderne verhasst war: den Werterelativismus und die um sich greifende »Gottlosigkeit«, die »Vermassung« der Gesellschaft, die Zerstörung der Familie durch die Emanzipation der Frau und die Infragestellung von überlieferten Hierarchien.

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Wie andere rechtskatholische Intellektuelle der Zeit redete Gonzague de Reynold seit Mitte der zwanziger Jahre von einer abendländisch-christlichen Reichsvision. Im Mittelalter sei die Einheit Europas im fränkischen Großreich Karls des Großen und später im Heiligen Römischen Reich bereits einmal modellhaft verwirklicht gewesen.[26] Diese Reiche mit ihren von den Päpsten in Rom gekrönten Kaisern faszinierten ihn nicht nur als monarchisch-ständische und christlich geprägte Gebilde. In ihren Bann schlug ihn die staufische Universalmonarchie des frühen 13. Jahrhunderts auch ihres vor- und transnationalen Charakters wegen. Als lockerer Dachverband hatte das Heilige Römische Reich unterschiedliche Territorien diesseits und jenseits der Alpen überwölbt und germanische und romanische Völker gleichermaßen umfasst. Trotz reichsrechtlich vorgegebener Rahmenbedingungen ließ es eine landesherrliche Autonomie und ein starkes Eigenleben in den einzelnen Territorien zu. In dessen gleichermaßen hierarchischer wie föderalistischer, christlicher wie korporativer Grundarchitektur sah er ein zeitloses Modell europäischen Zusammenlebens und eine vorbildliche Friedensordnung verwirklicht. Bezeichnenderweise spielte das Byzantinische Reich, wie es bis zur Eroberung Konstantinopels durch die Osmanen (1453) im östlichen Mittelmeerraum existiert hatte, in seinem ganz den Traditionen der Westkirche verpflichteten Denkstil keine Rolle.

Seit 1926 verklärte Gonzague de Reynold das Heilige Römische Reich zur historisch erprobten und zeitlos gültigen Form europäischer Einheit schlechthin. Im christlichen Universalreich des frühen 13. Jahrhunderts schien ihm eine ideale europäische Völkergemeinschaft vorgebildet, an dem sich – zeitgenössisch aktualisiert – auch die künftige europäische Ordnung orientieren sollte.[27] In seinem Buch »Die Tragik Europas« aus dem Jahr 1935, das im »Dritten Reich« bald nach dessen Erscheinen verboten wurde, brachte er den Satz zu Papier: »Am nötigsten wäre, dass wir einen Karl den Großen mitsamt seinem Reich wiederfänden.«[28] So diffus und versponnen seine Reichsvision blieb, so unübersehbar war, dass er eine autoritär-elitäre Europa-Konzeption verfolgte, die als Grundsatzkritik am aktuellen Zustand des Kontinents verstanden werden wollte. Mit seiner antiliberalen Antiutopie entfaltete er vor dem Zweiten Weltkrieg in den rechtskatholischen Kreisen Frankreichs, Österreichs und Belgiens die größte Wirkung. Zeitweise stieß sie auch im faschistischen Italien auf Interesse.

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In der Woche vom 14. bis zum 20. November 1932 veranstaltete die Reale Accademia d’Italia in Rom einen »Convegno Volta« zu Europa. Als Teilnehmer lud das Regime führende Repräsentanten der Rechten in die »ewige Stadt« ein. Im Rahmen der aufwändig in Szene gesetzten 10-Jahresfeierlichkeiten des »Marschs auf Rom« nahmen am Anlass so unterschiedliche Politiker, Gelehrte und Intellektuelle wie Gugliemo Marconi, Hermann Göring, Robert Michels, Alfred Rosenberg, Francesco Orestano, Hjalmar Schacht, Alfred Weber, Pierre Gaxotte, Daniel Halévy, Karl Anton Prinz von Rohan, Stefan Zweig, William Martin und Gonzague de Reynold teil. Der »Convegno Volta« wuchs sich nicht nur zu einer Sympathiekundgebung für das faschistische Regime in Italien aus, sondern verdient auch als späte Reaktion auf die Europa-Initiative von Aristide Briand Beachtung.

Im September 1929 hatte Frankreichs Außenminister vor dem Völkerbundsplenum für die Völker Europas eine »Art föderatives Band« angeregt. Wenige Monate danach hatte Briand, der auch Ehrenpräsident der 1923 gegründeten Paneuropa-Bewegung war, in einem Memorandum die Schaffung einer »Union fédérale européenne« vorgeschlagen. Diese »föderale europäische Union« wollte die einzelstaatliche Souveränität nicht antasten, aber im Blick auf einen dauerhaften Frieden in Europa die Zusammenarbeit der Staaten in Wirtschafts-, Bildungs-, Migrations-, Verkehrs- und Kommunikationsfragen intensivieren.[29] Briands Europaprojekt kam zur Unzeit. Die Weltwirtschaftskrise, die durch sie angestachelten nationalen Egoismen und die Machtübertragung an Adolf Hitler bereiteten jeder Form von supranationaler Verständigungspolitik ein Begräbnis erster Klasse.

Seit 1932 zu einer aktiven Außenpolitik entschlossen, wollte Benito Mussolini das Feld europapolitischer Initiativen nicht den demokratischen Staaten überlassen.[30] Im prächtigen Cäsarensaal auf dem Kapitol gab der »Duce« am 14. November 1932 dem Wunsch Ausdruck, dass der »Convegno Volta« auch Auswirkungen auf die internationale Politik haben möge. Tatsächlich verwandelte sich der Kongress in eine politische Diskussion über das gegenwärtige und zukünftige Europa.[31] Über den Debatten schwebte die Frage, ob und wie das faschistische Italien eine Vorreiterrolle auf dem alten Kontinent übernehmen könnte.[32]

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Nicht wissenschaftlich, sondern politisch bezog auch Gonzague de Reynold Stellung. Bereits in der ersten Sitzung des »Convegno Volta« trug er seine Überlegungen über »L’Europe comme unité« vor. De Reynolds Ansprache verstand sich als Beitrag zur Frage, wie eine »neue europäische Ordnung« geschaffen werde könne. Allerdings blieben seine Überlegungen weit hinter den selbst geweckten Erwartungen zurück. In seiner Rede erteilte er nicht nur liberalen Europaideen eine Absage, sondern auch dem Paneuropa-Konzept von Richard Coudenhove-Kalergi.[33] Ein »Europe unifiée«, das sich am Vorbild der Vereinigten Staaten von Amerika oder dem des schweizerischen Bundesstaates orientiere, sei weder möglich noch wünschbar. Vielfalt und Komplexität würde den Charakter der europäischen Zivilisation ausmachen. Überdies bildeten die »Vaterländer« das konstitutive Element Europas, und diese »Vaterländer« bräuchten Unabhängigkeit, Souveränität und Grenzen.[34] Unter dem Beifall der Teilnehmer redete er einem »Europa der Vaterländer« das Wort. Der Freiburger Homme de lettres konnte sich Europa in den dreißiger Jahren nur als locker gefügte Interessengemeinschaft von souveränen Nationalstaaten denken. Ihr primärer Zweck müsse die Bewahrung des Friedens sein. Angesichts der nach 1935 ständig steigenden Kriegsgefahr war dies immerhin etwas.

Seit der deutschen Niederlage bei Stalingrad begann auch Gonzague de Reynold, sich mit der Nachkriegsordnung zu beschäftigen. Bezeichnenderweise war für ihn ein Neubau nur unter der Bedingung möglich, dass Europa zu seinen »wahren Traditionen« zurückkehre. Bis zu diesem Zeitpunkt hatte de Reynold innerlich auf der Seite der Achsenmächte gestanden, von denen er annahm, dass sie einem neuen autoritären Zeitalter zum Durchbruch verhelfen würden. Zwar hatte er mit der nationalsozialistischen Idee einer »Neuordnung Europas« und dem sich dahinter verbergenden rassistischen Hegemonialkonzept nie viel anfangen können. Doch bis weit ins Jahr 1942 hatte er in der Wehrmacht einen Garanten gegen die »Bolschewisierung Europas« gesehen und sich von der bizarren Annahme leiten lassen, dass aus dem Ringen zwischen den Achsenmächten und den Alliierten schließlich der »Etat chrétien«, wie er von Salazar in Portugal und von Franco in Spanien begründet worden war, als dritter Weg die Oberhand gewänne. Je länger der Krieg dauerte, desto mehr wurde er sich gewahr, dass er sich mit seinen Annahmen über den Gang der Weltgeschichte gründlich getäuscht hatte und die Nachkriegsordnung ganz anders aussehen würde, als er sie sich seit Jahren erträumt hatte.

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IV.

Unter dem Eindruck der Kriegswende gab Gonzague de Reynold seiner Europa-Konzeption einen betont klassisch-humanistischen Anstrich und vermied es künftig tunlichst, diese in Form einer Reichsvision zu präsentieren. Obwohl 1945 keinen eigentlichen Bruch in seinem Europadenken bedeutete, suchte sich dieses nun eine politisch unverdächtigere Begrifflichkeit. Tatsächlich setzte beim Freiburger Professor eine intensive Reflexion darüber ein, woher der alte Kontinent komme und wohin er sich in Zukunft entwickeln werde.[35] Wissenschaftlich ging es ihm fortan entscheidend darum, Europas »Fundamentaltyp« (»type fondamental«) zu bestimmen und das hieß für ihn, die historischen »Kraftlinien« (»lignes de force«) und kulturellen »Konstanten« (»constantes«) des kleinsten Kontinents seit der griechischen Antike zu bestimmen.[36] In einem kristallklaren Französisch verfasst und von klassisch-humanistischen Bildungsidealen kündend, gehören die sieben Bände von »La Formation de l’Europe« nicht nur zu den umfangreichsten, sondern auch zu den wirkungsmächtigsten Werken ihrer Gattung.

In der 3.000 Seiten starken Synthese, die die monographische Einzelforschung zu einem höheren Ganzen zusammenfügen wollte, argumentierte de Reynold nicht nur historisch. Durch Exkurse in die griechische Mythologie, christliche Theologie, katholische Geschichtsphilosophie[37], aber auch in die Geographie und Etymologie verlieh er ihr eine unverwechselbare Handschrift. Das Unternehmen lief auf keine moderne Geschichte der Zivilisationen Europas hinaus, wie sie zur selben Zeit vom britischen Historiker Arnold J. Toynbee betrieben wurde. Im Kern zielte es darauf ab, den Idealtyp europäischer Kultur zu bestimmen, den de Reynold im »Zeitalter der Christenheit«, im 13. Jahrhundert, am Perfektesten verwirklicht sah.[38] Schließlich verdanke Europa dem Christentum nicht nur seine Existenz und »Seele«, sondern auch das »Wesen seiner Zivilisation«.[39]

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Für die historische Gestaltwerdung Europas verwendete er die Metapher eines mehrgeschossigen Hauses. Über einem prähistorischen Keller und einem griechischen Erdgeschoss hätten die Jahrhunderte nach und nach ein römisches und germanisches Stockwerk errichtet, bevor über dem Rohbau schließlich ein »christliches Dach« errichtet worden sei.[40] Der griechischen Poliswelt und dem Hellenismus verdanke Europa nichts weniger als seine Kultur, der römischen Antike die politische Idee des Imperiums und den Franken unter Karl dem Großen eine Reichsbildung im Zeichen des Kreuzes. Diese ebenso einfache wie folgenreiche Grundthese bestimmte den ganzen Aufbau des Werks. Nach einer allgemein gehaltenen Einleitung mit dem Titel »Qu’est-ce que l’Europe« (1944) folgten nacheinander Bände über »Le Monde grec et sa pensée« (1944), »L’Hellénisme et le génie européen« (1944), »L’Empire romain« (1945), »Le Monde barbare«[41] (1949/53), »Le Monde russe« (1950) und »Le Toit chrétien« (1957). Unbesehen davon, ob er über das klassische Griechenland, das Imperium romanum zur Zeit der Cäsaren oder die Welt der Völkerwanderungszeit handelte, wollte Gonzague de Reynold stets bloß jene Kulturelemente bestimmen, die schließlich den Bau des »christlichen Abendlands« ermöglicht hatten.[42] Die »Epoche der Christenheit« im Hochmittelalter stellte für ihn Synthese und Höhepunkt einer über tausend Jahre währenden Kulturentwicklung dar.

Anlage und Hauptthesen von »La Formation de l’Europe« trafen den Nerv der Zeit und brachten das abendländische Selbstverständnis konservativer Kreise während des Kalten Krieges zum Ausdruck. Ein sprechendes Zeitdokument ist de Reynolds Werk schon allein wegen des zugrunde gelegten Europa-Begriffs. Europa sei zwar der kleinste aller Kontinente und geographisch nur eine Verlängerung Asiens, doch von der Geographie mit Meeren begünstigt, bilde es das Zentrum und den Brennpunkt der Welt.[43] Nur Europa habe eine Kultur wirklich universalen Charakters ausgebildet. Als imperiales Gebilde im römischen Altertum ins Leben getreten, müsse es fortfahren, seine Zivilisation über den ganzen Erdball zu verbreiten. Nur so werde es seiner globalen Mission gerecht: »L’Europe, c’est le continent qui doit se projeter hors de soi-même, celui de l’expansion et de la conquête, de la découverte et de la colonisation. L’Europe est née impériale. Elle a été créée pour être le globe«[44] – hielt er an einer Stelle apodiktisch fest.

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Wie viele Konservative seiner Zeit unterschied de Reynold zwischen einem »wahren« und einem »falschen« Europa. »L’Europe européenne, l’Europe originaire et originale, c’est l’Occident«[45], behauptete er kategorisch. Ausgehend von der Setzung, dass die europäische Kultur das Werk des römisch-katholischen Christentums sei, identifizierte er Europa ganz mit dem westlichen Teil des Kontinents. Für dieses »europäische Europa« verwendete er den hoch belasteten Begriff »Occident«, der auch im Französischen »Westen« und »Abendland« bedeutet. Zur abendländischen Kernzone gehörten für ihn Länder wie Frankreich, Belgien, Irland und Deutschland, aber auch Spanien, Italien, Österreich und die Schweiz. Obwohl geographisch bereits zu Osteuropa gehörend, würden auch das katholische Polen und Litauen noch zum »Occident« gehören und eine abendländische Vormauer gegen das »barbarische Asien« bilden. Das slawische Osteuropa, das nach der Befreiung von der deutschen Besatzungsherrschaft immer stärker dem sowjetischen Machtbereich eingefügt wurde, stand in seiner Wertehierarchie weit unter dem mediterranen Raum, den er für die eigentliche Wiege der europäischen Kultur hielt. Unter dem Eindruck des beginnenden Kalten Krieges brachte er diese für ihn typische Haltung so auf den Punkt:

»Il y a deux Europes: l’occidentale, l’orientale. L’orientale n’est que la continuation de l’Asie. En revanche, l’occidentale est la vraie Europe, l’Europe européenne, le foyer de cette civilisation qui, grâce au christianisme, est la seule de l’histoire qui se soit révélée capable d’être universelle.«[46]

Während er das romanische und germanische Europa als Welt der Städte, Universitäten und Kathedralen beschrieb, stünde das slawische Osteuropa seit Jahrhunderten unter dem kulturfeindlichen Einfluss Asiens. Ungarn, Rumänen und Bulgaren hätten keinen Beitrag zur Kultur Europas geleistet. Der Osten des Kontinents sei dem Westen schon deshalb unterlegen, weil es dort so viele Analphabeten gebe. Überdies seien die Slawen von Natur aus dumpfe und geistig minderbemittelte Wesen.[47] In dem 1950 publizierten Band »Le Monde russe« behauptete er gar, dass Russland in beinahe jeder Hinsicht das Gegenprinzip zum »wahren Europa« bilde. Russland würde seit jeher eine barbarische Existenz hinter der europäischen Zivilisationsgrenze führen. In seiner »mental map« stand es für »integralen Asiatismus« und »Despotismus«.[48] Die Sowjetunion sei nichts mehr als die aktuellste Inkarnation des »ewigen Russland«. Denn Russland sei nie »russischer« gewesen als unter Stalin.[49] Und nie sei die christlich-abendländische Kulturwelt vor einer so tödlichen Gefahr gestanden wie heute durch die Sowjetunion.[50] All dies hatte mit wissenschaftlicher Gelehrsamkeit und wirklichen Kenntnissen über die Geschichte Osteuropas nichts, mit Slawophobie und grobschlächtigem Antikommunismus hingegen viel zu tun. Ungefiltert reproduzierte de Reynold in seinem wissenschaftlichen Hauptwerk abendländische Denkfiguren, die diesseits des »Eisernen Vorhangs« weit verbreitet und populär waren.

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Der »barbarischen Welt Russlands« stellte Gonzague de Reynold in »Le Toit chrétien« das goldene Zeitalter des »christlichen Abendlandes« gegenüber. Historisch gesehen hätte der Bau Europas an jenem Tag seinen krönenden Abschluss gefunden, als der Kontinent christianisiert worden sei – lautete die Hauptaussage des Buches.[51] Tatsächlich versuchte der Autor in dem 520 Seiten zählenden Abschlussband zu zeigen, wie das Christentum Europa gemacht und dieses den Kontinent während des Hochmittelalters schließlich »bewohnbar und menschlich« habe werden lassen.[52] Nach ausladenden theologischen Reflexionen zur »christlichen Konzeption von Welt und Geschichte« argumentierte de Reynold erst auf den letzten 200 Seiten im strengen Sinn historisch.

Karl der Große sei der Gründer des christlichen Europa gewesen.[53] Sein Reich hätte sich über »alle wesentlichen Teile Europas« erstreckt: nämlich über Frankreich, Deutschland und Italien.[54] Kein christlicher Herrscher hätte die Wahrheit, dass jede Kultur auf einem »spirituellen Prinzip« beruhe, besser verstanden als Karl; und niemand hätte besser als er durchschaut, dass zivilisieren christianisieren bedeute.[55] Dieser vom Papst gekrönte Kaiser hätte die abendländische Christenheit in einem Imperium geeinigt, das es Menschen unterschiedlicher Herkunft erlaubt habe, harmonisch in Frieden, Ordnung und Sicherheit zu leben.[56] Auf den von Karl gelegten Grundlagen hätte sich im 13. Jahrhundert das Heilige Römische Reich zu voller Blüte entfaltet, jene ideale Gemeinschaft, ohne die Europa nicht verstanden werden könne.[57] In diesem verklärten Bild von Karl als »Pater Europae« blieb einiges ausgespart. In seiner langen Regierungszeit hatte der machtbewusste Frankenherrscher die Grenzen seines Reiches nicht nur durch blutige Eroberungskriege ausgedehnt, sondern war bei der Bekehrung feindlicher Stämme auch nicht vor brutaler Gewalt zurückgeschreckt.

So gelehrt das monumentale Werk »La Formation de l’Europe« auch anmutete: Es war nicht frei von Blickverengungen, Beschönigungen[58] und zeittypischen Vorurteilen. Europa war für Gonzague de Reynold nur zur Zeit Karls des Großen und der staufischen Universalmonarchie, in der die Menschen in der richtigen christlichen Weltordnung gelebt hatten, groß gewesen. Alles was später kam, sei ein Abglanz einstiger Größe gewesen. Systematisch abgewertet wurde darin der zivilisierende Beitrag von Aufklärung und Menschenrechten. Gar nicht oder nur ganz am Rande gewürdigt wurde darin der Beitrag von Byzanz und jener der Mauren und Osmanen. Wenn das künftige Europa nicht zu einer »Kolonie unterentwickelter Völker« degradiert werden wolle, müsse es zu seinen »wahren Ursprüngen« zurückkehren – lautete die keineswegs überraschende Quintessenz. Wenn dies geschehe, könne ein vereintes Europa mit seiner überlegenen Kultur sogar die ganze Welt erretten. »L’Europe n’a plus qu’une chance de salut: s’unir […] Si elle s’unit, si elle reprend conscience de soi-même, de son âme chrétienne, de sa supériorité de civilisation et par conséquent de sa mission civilisatrice, c’est le monde entire qu’elle sauvera.«[59]

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Innerhalb des Gesamtspektrums katholischer Europa-Ideen, die von christdemokratischen bis zu konservativen Positionen reichten, bewegte sich Gonzague de Reynolds Vision vom »christlichen Abendland« während des Kalten Krieges auf der äußersten Rechten. Obwohl sie sich betont unpolitisch gab, stand sie im Dienst zeitkritischer Negationen, eines giftigen Antikommunismus und eines eurozentrischen Weltbildes. Die Konferenz von San Francisco, aus der 1945 die Vereinten Nationen (UNO) hervorgingen, nahm er als Triumph aller Nichteuropäer über die Europäer wahr. Ganz im Unterschied zum Völkerbund, den er für eine Neuauflage des Heiligen Römischen Reiches gehalten hatte, waren ihm die Vereinten Nationen schon deshalb suspekt, weil die UdSSR und die unabhängig gewordenen Nationen der »Dritten Welt« in ihr den Status als gleichberechtigte Mitglieder erhielten. Für nichteuropäische Gebiete und selbst für die USA konnte er nie ein tieferes Verständnis entwickeln. Im Gegenteil: Wie bei vielen anderen Konservativen richtete sich de Reynolds Abendland-Idee stets auch gegen die von Amerika symbolisierte Moderne; sie besaß durchaus eine antiwestliche Stoßrichtung. Gegenüber der angeblichen Geschichtslosigkeit der Neuen Welt betonte er die in einer langen Geschichte begründeten Kulturtraditionen Europas.[60]

Diese Grundhaltung änderte sich auch nicht, als er 1949 mit seiner jüngsten Tochter zu einer Amerikareise aufbrach und mehrere Woche Uruguay, Brasilien und Argentinien bereiste. Ein »zivilisierter Europäer«, hielt er in seinem Reisebuch »Impressions d’Amérique« fest, begegne in Südamerika einer Welt, die ihn dazu zwinge, noch einmal alle Stufen der gesellschaftlichen Entwicklungen zu durchlaufen, die seine Vorfahren längst hinter sich gelassen hätten.[61] Gemessen am Erbe des »christlichen Abendlandes« erschienen ihm die präkolumbianischen Kulturen als primitiv. Selbst die Inkas, die noch das zivilisierteste Volk des Doppelkontinents gewesen seien, hätten in ihrer Kulturentwicklung kaum den Stand der europäischen Bronzezeit erreicht. Denn wie wäre es sonst zu erklären, dass eine Handvoll Spanier ihr Großreich so leicht hätten erobern können.[62] Buenos Aires, Montevideo und Rio de Janeiro erlebte er als eine Ansammlung von anonymen Häuserfluchten und Slums, nicht aber als Städte mit einem historischen Gesicht. Die Schwäche Amerikas bestünde darin, dass es keine Vergangenheit besäße.[63] Bezeichnenderweise wurde der Bericht dort emphatisch, wo er seine Rückkehr in das abendländische Kerneuropa beschrieb. Ausgerechnet in Portugal, das von Diktator Antonio de Oliveira Salazar mit eiserner Faust regiert wurde, empfand er die zivilisatorische Überlegenheit Europas besonders stark. Denn nur Klöster wie Belem und Batalha würden von »wahrer Kultur«[64] zeugen.

V.

In den 1950er Jahren erzielte Gonzague de Reynold mit seiner Europavision noch eine beachtliche Wirkung. Mit der kulturellen Öffnung der westeuropäischen Gesellschaften seit Mitte der sechziger Jahre allerdings schritt die Zeit schnell über sie hinweg. Auch dieser diskursive Niedergang war sehr typisch für den abendländischen Denkstil, der heute nur noch in Kreisen älterer konservativer Akademiker gepflegt wird.

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Literaturverzeichnis

Archiv des Schweizerischen Schriftstellerverbandes, Zürich: Dossier Gonzague de Reynold: Beilage zum Schreiben von Rektor W. Oswald, 25. Februar 1956.

Aschmann, Birgit: »Treue Freunde …«? Westdeutschland und Spanien 1945–1963, Stuttgart 1999.

Bonjour, Edgar: Die Schweiz und Europa. Ausgewählte Reden und Aufsätze, Bd. 3, Basel 1973.

Breuning, Klaus: Die Vision des Reiches. Deutscher Katholizismus zwischen Demokratie und Diktatur (1929–1934), München 1969.

Chabot, Jean-Luc: Aux origines intellectuelles de l’Union européenne. L’idée d’Europe unie de 1919 à 1939, Grenoble 2005.

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ANMERKUNGEN

[*] Aram Mattioli, Prof. Dr., Lehrstuhl für Allgemeine und Schweizer Geschichte der Neuesten Zeit, Universität Luzern.

[1] Grundlegend für diesen Ansatz Schmale, Geschichte Europas 2001.

[2] Conze, Europa der Deutschen 2005, S. 1.

[3] Grundlegend dazu Breuning, Vision des Reiches 1969; Ledeen, Universal Fascism 1972; Faber, Abendland 1979; Kettenacker, Mythos vom Reich 1983, S. 261–289; Elvert, Mitteleuropa! 1999; Kletzin, Europa aus Rasse und Raum 20022.

[4] Schildt, Zwischen Abendland und Amerika 1999, S. 21. Vgl. auch Faber, Abendland 1979.

[5] Schildt, Zwischen Abendland und Amerika 1999, S. 22.

[6] Zur Definition von Denkstil und Denkkollektiv vgl. Fleck,Entstehung und Entwicklung 19943, S. 130 u. 135.

[7] Pöpping, Abendland 2002 und Conze, Europa der Deutschen 2005, S. 11f.

[8] Grundlegend dazu Aschmann, »Treue Freunde …«? 1999, S. 425–435; Conze, Europa der Deutschen 2005, S. 173–185 und Lehmann, Die Bundesrepublik Deutschland und Franco-Spanien 2006, S. 65–75. Vgl. als Beispiel für ein prominentes Schweizer CEDI-Mitglied, das sich später als Rechtspopulist und Führer einer gegen Ausländer gerichteten Überfremdungsbewegung einen Namen machte, auch Drews, »Schweizer erwache!« 2005. James Schwarzenbach war in vielerlei Beziehung Gonzague de Reynolds Schüler.

[9] Chélini, L’Eglise 1989, S. 440f.

[10] Näheres dazu in König, Gonzague de Reynold 2003 und Mattioli, Gonzague de Reynold 2007, S. 189–210.

[11] Aus den Salzburger Vorträgen ging folgende Buchveröffentlichung hervor: de Reynold, Europas Einheit 1961.

[12] Schuman, M. Gonzague de Reynold 1955, S. 396 und König, Gonzague de Reynold 2003, S. 207 u. 359ff.

[13] Archiv des Schweizerischen Schriftstellerverbandes, Zürich: Dossier Gonzague de Reynold: Beilage zum Schreiben von Rektor W. Oswald, 25. Februar 1956. Als 1957 der französische Schriftsteller Albert Camus den Nobelpreis für Literatur zugesprochen erhielt, glaubten viele Anhänger der Freiburger Kandidatur an eine krasse Fehlentscheidung des schwedischen Preiskomitees.

[14] Vgl. dazu Mattioli, Zwischen Demokratie und totalitärer Diktatur 1994.

[15] Bonjour, Die Schweiz und Europa 1973, S. 231.

[16] Ähnliches hat für Deutschland Eckart Conze (Vom deutschen Adel 2000) belegt.

[17] Mattioli, Gonzague de Reynold 1995, S. 135–156.

[18] De Reynold, Portugal gestern – heute 1938, S. 25.

[19] Zu seiner Haltung zu den totalitären Großdiktaturen vgl. Mattioli, Zwischen Demokratie und totalitärer Diktatur 1994, S. 218ff.

[20] Das Neue Reich, 13. und 20. Juni 1925.

[21] De Reynold, Der geistig-moralische Zustand 1929.

[22] Vgl. de Reynold, La Suisse et le monde nouveau 1934; ders., Die Schweiz 1934; ders., Conscience de la Suisse 1938; ders., La Suisse de toujours 1940.

[23] Kaelble, Europäer über Europa 2001, S. 147ff.

[24] De Reynold, Die drei grossen Richtlinien 1927.

[25] De Reynold, L’Europe tragique 1934, S. 398.

[26] Vgl. etwa de Reynold, La survie 1926; ders., Bedürfnis nach Einigkeit 1926; ders., Fortleben des heiligen römischen Reiches 1927; ders., Romanitas 1929.

[27] De Reynold, Fortleben des heiligen römischen Reiches 1927.

[28] De Reynold, Die Tragik Europas 1935, S. 391.

[29] Vgl. Fleury (Hg.), Le Plan Briand 1998.

[30] Chabot, Aux origines intellectuelles 2005, S. 152.

[31] Sestan / Saitta, Vorwort 1963, S. VIII.

[32] De Reynold, L’Europe tragique 1934, 393. »Ce qui réunissait tous ces esprits divers et même opposés, c’était un sentiment commun: l’inquiétude. L’inquiétude romaine à la recherche de la paix romaine.«

[33] Ausführlich dazu Conze, Coudenhove-Kalergi 2004; Ziegerhofer-Prettenthaler, Botschafter Europas 2004.

[34] De Reynold, L’Europe comme unité 1933, S. 5.

[35] De Reynold, Formation de l’Europe, Bd. 1, 1944, S. 30f.

[36] Ebd., S. 32.

[37] Häufig zitierte Gewährsleute waren darin die Patristiker, insbesondere Augustinus und Thomas von Aquin natürlich, aber auch der französische Hoftheologe Jacques Bossuet.

[38] De Reynold, Formation de l’Europe, Bd. 7, 1957, S. 497.

[39] De Reynold, Formation de l’Europe, Bd. 1, 1944, S. 36. »Civilisation européenne est donc synonyme de civilisation chrétienne.«

[40] Ebd., S. 35.

[41] Band 5 unterteilte er in die Teilbände »Les Celtes« und »Les Germains«.

[42] Typisch für diese methodisches Vorgehen ist etwa das Kapitel »Permanence de Rome«. Vgl. de Reynold, Formation de l’Europe, Bd. 4, 1945, S. 237–271.

[43] De Reynold, Formation de l’Europe, Bd. 1, 1944, S. 74.

[44] Ebd., S. 75.

[45] Ebd., S. 55.

[46] De Reynold, Cités et Pays suisses 1948, S. 7.

[47] De Reynold, Formation de l’Europe, Bd. 6, 1950, S. 57f.

[48] Ebd., S. 356.

[49] Ebd., S. 354.

[50] Ebd., S. 368.

[51] De Reynold, Formation de l’Europe, Bd. 7, 1957, S. 29.

[52] Ebd., S. 30.

[53] Ebd., S. 388 u. 405.

[54] Ebd., S. 403.

[55] Ebd., S. 397.

[56] Ebd., S. 405.

[57] Ebd., S. 426. »Ne pas comprendre le Saint-Empire, c’est s’interdire de comprendre l’Europe.«

[58] Ebd., S. 483. Die Kreuzritter, die sich 1095 aufgemacht hätten, die heiligen Stätten des Christentums in Palästina zu erobern, seien die »wahren Soldaten Christi« gewesen.

[59] Ebd., S. 517.

[60] Ähnliches betont für die deutschen Abendländer Herbert, Liberalisierung als Lernprozess 2002, S. 21.

[61] De Reynold, Impressions d’Amérique 1950, S. 29.

[62] Ebd., S. 35.

[63] Ebd., S. 83f.

[64] Ebd., S. 74ff.



ZITIEREMPFEHLUNG

Aram Mattioli, Denkstil »christliches Abendland«. Eine Fallstudie zu Gonzague de Reynold, in: Kerstin Armborst / Wolf-Friedrich Schäufele (Hg.), Der Wert »Europa« und die Geschichte. Auf dem Weg zu einem europäischen Geschichtsbewusstsein, Mainz 2007-11-21 (Veröffentlichungen des Instituts für Europäische Geschichte Mainz, Beiheft online 2), Abschnitt 60–75.
URL: <http://www.ieg-mainz.de/vieg-online-beihefte/02-2007.html>.
URN: <urn:nbn:de:0159-2008031319>.

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