Mainz, 24.10.2025 – War das 19. Jahrhundert ein Zeitalter der Säkularisierung oder doch die Geburtsstunde einer neuen Religiosität? Die soeben erschienene Publikation „Religious Transformations in Europe. Individual Life Paths between Secularism and (New) Religiosity in the 19th Century“ geht dieser Frage aus interdisziplinärer Perspektive nach und beleuchtet ein Jahrhundert vielfältiger und teils paradoxer Entwicklungen religiöser Transformation. Herausgegeben wurde der Band – auch in Open Access – von Cristiana Facchini und Alessandro Grazi in der Reihe der Veröffentlichungen des Instituts für Europäische Geschichte Mainz, vol. 144.
Ob individuell oder kollektiv, reformistisch oder radikal, säkular oder geistig: Nicht wenige Gläubige orientierten sich im 19. Jahrhundert neu oder versuchten, ihre Religionsgemeinschaft von innen zu transformieren. Diese Reflexion kultureller, politischer und intellektueller Trends wirkten sich aktiv auf die Entwicklung der modernen religiösen Landschaft aus. Alessandro Grazi und Cristiana Facchini fragen zusammen mit weiteren Experten danach, inwiefern sich grenzüberschreitende Momente als Folgen der Säkularisierung, als Transformation des Religiösen, oder gar als Manifestation neuer Religiosität begreifen lassen können. Dabei stehen Säkularisierung und Religiosität nicht in einem einfachen Gegensatz. Vielmehr zeigen die Autor:innen ihre komplexen Wechselwirkungen auf und stellen den eurozentristischen Blick auf die Säkularisierung als eine rein westliche Erscheinung in Frage.
Durch seinen interdisziplinären Ansatz ist das Buch von besonderem Interesse für Religionswissenschaftler:innen, Theolog:innen, Judaist:innen und Islamwissenschaftler:innen, sowie für moderne Historiker:innen und Forschende in der Religionssoziologie sowie Geistesgeschichte und -wissenschaft.
Herausgebende:
Alessandro Grazi ist promovierter Geisteswissenschaftler und arbeitet im Exzellenzcluster »Religion und Politik« der Universität Münster. 2018 bis 2023 war Grazi wissenschaftlicher Mitarbeiter für digitale Jüdische Studien am IEG in Mainz.
Cristiana Facchini ist Professorin für Christentumsgeschichte und Religionswissenschaften an der Universität Bologna.
NEUERSCHEINUNG „Religious Transformations in Europe. Individual Life Paths between Secularism and (New) Religiosity in the 19th Century”
Veröffentlichungen des Instituts für Europäische Geschichte Mainz, vol. 144, 1st edition 2025, 224 pages, hardcover, Vandenhoeck & Ruprecht, ISBN: 978-3-525-57148-4, Open Access: https://doi.org/10.13109/9783666571480.
DAS IEG
Das IEG ist ein selbstständiges außeruniversitäres Forschungsinstitut und seit 2012 Mitglied der Leibniz-Gemeinschaft. Seine Aufgabe ist die wissenschaftliche Erforschung der europäischen Geschichte. Es betreibt und fördert Forschungen zu den politischen, sozialen, religiösen und kulturellen Grundlagen Europas in der Neuzeit und befasst sich mit aktuellen Entwicklungen in den Digital Humanities. Seine Beschäftigten forschen sowohl in Einzel- als auch Gemeinschaftsvorhaben sowie mit internationalem wissenschaftlichem Nachwuchs, den es durch sein angesehenes Stipendien- und Gästeprogramm fördert.
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