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Neuerscheinung: Baťas Menschen. Rationalisierung, social engineering und Differenzierung in der tschechoslowakischen Unternehmensstadt Zlín, 1918–1948


Die Habilitationsschrift von Gregor Feindt ist als Band 275 der Veröffentlichungen des Instituts für Europäische Geschichte Mainz erschienen. In „Baťas Menschen. Rationalisierung, social engineering und Differenzierung in der tschechoslowakischen Unternehmensstadt Zlín, 1918–1948“ schreibt er über Folgendes:

Das Schuhunternehmen Baťa verwandelte seinen Stammsitz im tschechischen Zlín über 15 Jahre hinweg in eine modernistische, funktional durchgeplante und weltweit beachtete Unternehmensstadt des 20. Jahrhunderts. Durch seine kommunalpolitische Macht wurde das Unternehmen zum unangefochtenen, kulturellen Souverän der Stadt. Baťa durchdrang sämtliche Institutionen oder gründete eigene – mit einem klaren Ziel: Die Formung eines leistungsfähigen, loyalen und konformen Baťa-Menschen als Voraussetzung maximal effizienter Produktion.

In seiner Habilitationsschrift erzählt Gregor Feindt die transnationale und tschechoslowakische Geschichte dieses einzigartigen Sozialexperiments. Er analysiert Baťa als System der Humandifferenzierung, Rationalisierung und des social engineering in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Das Schuhunternehmen Baťa bot seinen Beschäftigten überdurchschnittliche Löhne, komfortablen Wohnraum, ein Freizeitangebot wie in der Großstadt sowie realistische soziale Aufstiegschancen. Im Gegenzug verlangte die Unternehmensleitung die Anpassung an strikte betriebliche Wertvorstellungen, kontinuierliche Selbstoptimierung und die Akzeptanz permanenter Kontrolle.

Das in der Produktion eingeübte Prinzip der Rationalisierung übertrug Baťa systematisch auf die Personalverwaltung und das Alltagsleben in Zlín. Die Belegschaft wurde geformt und differenziert bis weit in das Privatleben der Beschäftigten hinein.

Gregor Feindt analysiert die Sozialreform und Personalpolitik des tschechischen Unternehmens Baťa und zeigt die vielfältigen Konzepte, Praktiken und Institutionen auf, mit denen die Beschäftigten kontrolliert und diszipliniert werden sollten. Dabei verfolgt Feindt die Entwicklung und Überformung dieses Sozialexperiments von seinen Anfängen in der Habsburgermonarchie über die demokratische Tschechoslowakei bis zur deutschen Besatzung im Zweiten Weltkrieg und den frühen Jahren des Staatssozialismus.

Gregor Feindt ist wissenschaftlicher Mitarbeiter am Georg Forster Forum (GFF) der Johannes Gutenberg-Universität Mainz und assoziiertes Mitglied im SFB 1482 Humandifferenzierung, wie auch am Leibniz-Institut für Europäische Geschichte (IEG) assoziiert. Von 2014 bis 2025 war er dort wissenschaftlicher Mitarbeiter.