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Den Glauben visualisieren. Vorstellungen von „Europa“ und „europäischen Werten“ in der katholischen Missionsfotografie im kolonialen Neuguinea, 1899-1975

Das Projekt analysierte die Produktion und Verwendung katholischer Missionsfotografie zwischen Neuguinea und Deutschland im 20. Jahrhundert. Ziel war es, Veränderungen in der Visualisierung vom „Selbst“ und vom „Anderen“ zu untersuchen. Das Bildmaterial wurde in zwei Schritten analysiert: Erstens wurden die archivierten Fotografien und Negative untersucht und zweitens ihre Reproduktionen in Missionszeitschriften erforscht. Dadurch ergab sich die Möglichkeit, den Kontext der Fotos in die Analyse miteinzubeziehen und Unterschiede in ihrer Interpretation durch die Missionare in Neuguinea und Europa zu erkennen. Diese Vorgehensweise machte die Verwendung von bestimmten Fotos für die Bildung und Aufrechterhaltung von Gemeinschaften über geographische Distanz hinweg deutlich. Die Ikonographie des indigenen „Gläubigen“ veränderte sich im Untersuchungszeitraum grundlegend. Im frühen 20. Jahrhundert wurde Religionszugehörigkeit durch die Adaption westlicher kultureller Standards (z.B. Arbeit, Kleidung) und geschlechtsspezifische Aspekte (z.B. bezüglich Arbeit, Familie) visualisiert. Diese Repräsentation war fest in einen europäischen Zivilisierungsdiskurs eingebettet und Religionszugehörigkeit wurde durch westliche kulturelle Marker sichtbar
gemacht. Die archivierten Bestände aus den 1960er und 1970er Jahren weisen jedoch zunehmend veränderte Bildinhalte auf. Repräsentationen indigener Katholiken wurden komplexer und „Katholisch-Sein“ wurde erstmals auch eingebettet in indigene kulturelle Zusammenhänge visualisiert. Diese Veränderung spiegelte sich zunächst noch nicht in den veröffentlichten Bildern wider. Technische Neuerungen und Verschiebungen im sozialen Gefüge der Mission hatten dazu geführt, dass eine wachsende Zahl von Missionaren das Medium Fotografie nun auch dazu verwendete, den Katholiken in Europa ein neues Bild des „gläubigen“ Katholiken zu vermitteln.

Projektlaufzeit: 2011-2013
Projektbeteiligte:
  • Katharina Stornig