Moderation: Prof. Dr. Irene Dingel (IEG Mainz)
Die Mennoniten, die aus der Täuferbewegung des 16. Jahrhunderts hervorgegangen sind, waren bis ins 18. Jahrhundert mit Verfolgung und Vertreibung konfrontiert. Glaubens- oder Erwachsenentaufe, Wehrlosigkeit, die Verweigerung des Eides sowie die Trennung der Gemeinden von territorialstaatlichen Einflüssen waren Merkmale der Täufer. Der Vortrag wird die Entwicklung der Mennoniten in der NS-Zeit in den Blick nehmen. Wären die Mennoniten aufgrund ihrer Glaubensüberzeugungen eigentlich »prädestiniert« gewesen, um während der NS-Zeit im Widerstand tätig zu sein, so präsentierte sich das mennonitische Leben wesentlich vielfältiger. Mit der Machtergreifung Adolf Hitlers verbanden sich zunächst einmal große Hoffnungen, die sich mit einigen Schnittmengen zwischen den Entwicklungen in den weltweiten mennonitischen Gemeinden und der NS-Ideologie erklären lassen. So erlebten Mennoniten in Russland seit 1918 eine harte Verfolgung und generell war das Thema des »Auslandsdeutschtums« ganz wesentlich für das mennonitische Selbstverständnis und die Verbindungen der Gemeinden in der Zeit. Diskussionen über das Führerprinzip auch im kirchlichen Bereich, über den Umgang mit dem »Bolschewismus« und mit den Juden sowie Debatten über den Einsatz in der Wehrmacht und das Leisten des Eides zeigen, dass die Mennoniten während der NS-Zeit kein monolithischer Block waren.