Christliche Gemeinden entwickelten sich seit dem Urchristentum bis zur Spätantike vor allem in den Städten. Das Christentum stellte gar eine Stadtreligion dar. Antiochia am Orontes, Rom, Alexandria, Trier, Lyon, das irdische sowie das himmlische Jerusalem – jede dieser Städte zeichnete ein großer Einfluss durch das Christentum aus. Oder wirkte nicht vielmehr die Stadt auf das Christentum? Welche Bedeutung kam der Stadt für das antike Christentum zu? Wie nützlich waren die typisch städtischen Strukturen für die Ausbreitung und Stärkung der sich entwickelnden Religion? Das Leben der Christen wurde geprägt von den städtischen Lebensbedingungen und von den Angeboten, die die Stadt ihren Einwohnern bereitstellte. Was bedeutete es für das Christsein, in einer antiken Stadt am städtischen Leben teilzunehmen: Theater und Thermen zu besuchen, sich auf heidnische Kulte, jüdische und christliche Bräuche (gleichermaßen) einzulassen? Gerade die fremden kulturellen Einflüsse bewogen mancherorts die Bischöfe dazu, eine ablehnende Haltung in Form einer inneren Abkehr gegenüber der Stadt zu propagieren. Die Frage nach dem Lebenskontext der frühen Christen berührt im Kern also auch die Frage nach sozialer Anpassung und Isolation. So entwickelte sich auch außerhalb der Stadt ein Christentum: beispielsweise das antiochenische Mönchtum, das außerhalb der pulsierenden Stadt in den Hängen des Silpiusbergs seinen Ort fand, und auch die ägyptischen Eremiten, die weit außerhalb der Städte in den Wüsten ihren Glauben praktizierten. Auch diese Formen des Christentums standen in Relation zu einer Stadt, letztere insbesondere mit der Vorstellung von einem himmlischen Jerusalem. Eine Auseinandersetzung mit dieser Reziprozität von Christentum und Stadt wird in Mainz zentral stehen. Mit Vorträgen, anschließenden Diskussionen und Gesprächen sowie mit gemeinsamen Workshops möchten wir uns dem Tagungsthema nähern. Einen ersten Zugang zum Thema wird mit dem Eröffnungsvortrag Herr Prof. Dr. Ulrich Volp legen, Professor für Kirchen- und Dogmengeschichte an der Evangelisch-Theologischen Fakultät der JGU Mainz. Einen unmittelbaren Eindruck von dem römischen Mainz verschaffen wir uns am Samstagnachmittag bei einem historischen Stadtrundgang. Für den Sonntagmorgen bietet Herr Prof. Dr. Friedrich Wilhelm Horn eine Andacht für die TagungsteilnehmerInnen an. Eine herzliche Einladung an alle Interessenten der Jahrestagung des AK Patristik, Beitragsvorschläge in Form eines Vortrags oder einer Workshopleitung anzumelden. Diese können bis zum 15.02.2015 unter kontakt@ak-patristik.de eingereicht werden.
Anmeldungen ohne Beitragswunsch sind ebenso herzlich willkommen und können bis zum 15.02.2015 über die oben genannte Emailadresse erfolgen.