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Öffentliches Forschungskolloquium »Hinter der Weltbühne. Hermann Budzislawski und das 20. Jahrhundert«


Professor Siemens’ Buch rekonstruiert die politische und intellektuelle Biografie eines der am meisten verfemten deutschen Intellektuellen des 20. Jahrhunderts: Hermann Budzislawski (1901-1978), ein in Deutschland geborener jüdischer Journalist, Publizist und späterer Professor für Journalismus und Politiker in der DDR. In den 1930er Jahren erlangte er großen Einfluss als Chefredakteur der legendären linken Wochenzeitung »Die Weltbühne«, die im Exil als »Die neue Weltbühne« zunächst in Prag und später in Paris erschien. Durch die Anwendung einer multilateralen, transnationalen Perspektive trägt meine Studie zu den bestehenden Studien über Sozialismus, Antifaschismus und Exil sowie den Kalten Krieg bei und greift aktuelle methodologische Debatten über Identität, Individualität und Biografie auf. Wie viele Intellektuelle seiner Generation durchlebte Budzislawski vier politische Regime in Europa und den Vereinigten Staaten. Vor die Herausforderung gestellt, sich in diesen wechselnden politischen Kontexten zu positionieren, entwickelte er sich zu einem sozialistischen Demokraten, einem westlichen Liberalen und – schließlich – zu einem hartgesottenen Kommunisten. Seine Lebensgeschichte gewährt seltene Einblicke in die Komplexität und Kontinuität des politischen und intellektuellen Engagements im zwanzigsten Jahrhundert. Sie ist auch ein eindrucksvolles Beispiel für die Grenzen der deutschen Erinnerungskultur nach 1990, die Budzislawskis lebenslangen Antifaschismus auf den Aschehaufen der Geschichte verbannte.

Daniel Siemens ist Professor für europäische Geschichte an der Newcastle University in Großbritannien und Autor mehrerer Bücher zur Geschichte des 20. Jahrhunderts.

Die Veranstaltung findet am Dienstag, dem 05. April 2022, um 16:00 Uhr im Rahmen einer Buchvorstellung statt. Bei Interesse senden Sie bitte eine E-Mail an info@ieg-mainz.de.