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Neuerscheinung Katharina Kunter/Johannes Paulmann (Hg.), »Die unbekannten Politikverhandler im Umbruch Europas. Zeitzeugeninterviews mit ausgewählten Staatssekretären der letzten DDR-Regierung 1990«.


Inwiefern war die letzte DDR-Regierung durch ihre geräuschlose, professionelle Arbeit ein zentraler Teil des postsozialistischen und demokratischen Transformationsprozesses? Wie verliefen der Machtwechsel und die Ämterübergabe von der alten SED-Regierung auf die neue? Die Männer und Frauen der neuen Regierung kamen nicht aus einer politischen Kaderschmiede und übernahmen Minister- und Staatssekretärsaufgaben. Was waren deren politische Vorstellungen und Anliegen, für die sie sich in den letzten Monaten der DDR einsetzten?

Nach den Volkskammerwahlen wurde am 12. April 1990 die letzte und einzige demokratisch gewählte Regierung der DDR unter Ministerpräsident Lothar de Maizière vereidigt. Ihr Ziel war die Verhandlung und Erarbeitung der innen- und außenpolitischen Rahmenbedingungen für den Beitritt der DDR zur Bundesrepublik. Dazu wurden 22 Ministerien neu gebildet oder umstrukturiert. Jedes Ministerium hatte mindestens einen, meistens aber mehrere Staatssekretärinnen bzw. -sekretäre oder parlamentarische Staatssekretäre und -sekretärinnen. Sie sind der Öffentlichkeit allerdings kaum bekannt. Auch das komplexe, unter Zeitdruck stehende politische Aushandeln ist im Bewusstsein der heutigen Öffentlichkeit und in geschichtswissenschaftlichen Darstellungen kaum präsent.
Der vorliegende Sammelband versucht u.a. die vorangegangenen Fragen zu beleuchten und richtet seinen Fokus mithilfe von Interviews auf eine bestimmte Gruppe von Personen, die 1990 zum Gelingen des Transformations- und Vereinigungsprozesses im alltäglichen politischen Geschäft wesentlich beitrugen: die Staatssekretäre und -sekretärinnen der demokratisch legitimierten (letzten) Regierung der DDR. Es gibt weder schriftliche Quellensammlungen noch systematische Zeitzeugeninterviews, die die politische Tätigkeit und die biografischen Prägungen dieser Männer und Frauen erschließen.
Interviewt wurden von Katharina Kunter: (1) Almuth Berger, Staatssekretärin im Amt des Ministerpräsidenten, zuständig für Ausländerfragen und die Einwanderung sowjetischer Juden in die DDR; (2) Dr. Helmut Domke (†), Staatssekretär im Ministerium für Auswärtige Angelegenheiten, u. a. für den Abzug der sowjetischen Truppen zuständig; (3) Dr. Petra Erler, Staatssekretärin im Amt des Ministerpräsidenten, zuständig für Europafragen und die Integration der DDR in die Europäischen Gemeinschaften; (4) Helga Kreft, Staatssekretärin im Familien- und Frauenministerium; und (5) Dr. Hans Misselwitz, Parlamentarischer Staatssekretär im Ministerium für Auswärtige Angelegenheiten, v.a. für die Zwei-plus-Vier Gespräche zuständig.

Die Interviews sind ein 2020 begonnenes gemeinsames Vorhaben des Leibniz-Instituts für Europäische Geschichte Mainz und der Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur, das unter dem Titel »Die unbekannten Politikverhandler im Umbruch Europas. Zeitzeugeninterviews mit ausgewählten Staatssekretären und Staatssekretärinnen der letzten und demokratisch gewählten DDR-Regierung 1990« (Projektnummer: DO 095-2020) stand.
Zu den Herausgeber:innen:
Prof. Dr. Katharina Kunter ist Professorin für Kirchliche Zeitgeschichte an der Theologischen Fakultät der Universität Helsinki.
Prof. Dr. Johannes Paulmann ist Direktor des Leibniz-Instituts für Europäische Geschichte in Mainz und Professor für Neuere Geschichte an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz.
Kontakt:
Friederike Lierheimer, +49 (0)6131 3930076, lierheimer@ieg-mainz.de
Dr. Juliane Schwoch, +49 (0)6131 3939343, schwoch@ieg-mainz.de
Neuerscheinung:
Katharina Kunter/Johannes PaulmannDie unbekannten Politikverhandler im Umbruch Europas. Zeitzeugeninterviews mit ausgewählten Staatssekretären der letzten DDR-Regierung 1990 Veröffentlichungen des Instituts für Europäische Geschichte Mainz – Beiheft 138, 1. Auflage 2022, 131 Seiten, mit 10 Abb. & 1 Tab., gebunden, Vandenhoeck & Ruprecht ISBN: 978-3-525-57146-0, eISBN: 978-3-666-57146-6,
Open Access: https://doi.org/10.13109/9783666571466