Mit Blick auf das Jubiläumsjahr 2014 beginnen in ganz Rheinland-Pfalz die Veranstaltungen zum 100-jährigen Gedenken an den Kriegsausbruch 1914. Das Leibniz-Institut für Europäische Geschichte in Mainz wählt für dieses Gedenken den ungewöhnlichen Ort des Kinos, um das Kriegsgeschehen in Erinnerung zu rufen. Denn tatsächlich war der Film im Ersten Weltkrieg bereits ein zentrales Medium zur propagandistischen Vergegenwärtigung der Ereignisse. Daher veranstaltet das IEG aus gegebenem Anlass eine Filmreihe in Kooperation mit der Landeszentrale für politische Bildung Rheinland-Pfalz. Vom 30. Oktober 2013 bis zum Februar 2014 werden im CinéMayence in Mainz insgesamt sieben Filme gezeigt, die nicht nur den Umgang mit dem Krieg in verschiedenen Gesellschaften thematisieren, sondern auch die globalen Dimensionen des Krieges einfangen.
Wie niemals zuvor war der Erste Weltkrieg ein Krieg der Bilder, und jedes Schulkind ist mit diesen Bildern groß geworden. Der Film transportierte die Bilder von umgepflügten Schlachtfelder in Flandern oder von aus Eisenbahnwaggons winkenden Soldaten mit dem Slogan: „Auf Wiedersehen auf dem Boulevard“ Doch diese Filme wurde von den kriegsführenden Mächte zwischen 1914 und 1918 neben Fotografien vor allem als Propagandainstrument genutzt, gleichzeitig existieren Filmdokumente, in denen der Friedensschluss schon vor 1918 zum Gegenstand filmischer Fiktion wurde. Egal in welcher Form, bis heute blieb der Erste Weltkrieg im Medium Film präsent, diente zur Heldenverehrung, Propaganda und nationalen Mobilisierung oder gab Anlass für pazifistische und kosmopolitische Appelle.
Diese Spuren des Ersten Weltkriegs sind Thema der gemeinsamen Filmreihe von IEG und Landeszentrale. Die ausgewählten Filme thematisieren das Geschehen des Ersten Weltkriegs aus einer globalen und transkulturellen Perspektive. In den Blick geraten dadurch die Unterschiede im gesellschaftlichen Umgang, wie auch die verschiedenen „Welten“ eines Krieges, der sich nicht nur in Europa, sondern auch in Afrika, Asien und Amerika abspielt. Anders als die lokale und regionale Erinnerung an Kriegsausbruch und Kriegsgeschehen ist das Medium Film daher besonders gut geeignet, ein Jahrhundert später an den „Weltkrieg der Anderen“ zu erinnern.
Die sieben Abende der Reihe finden im Studiokino CinéMayence im Institut Français in Mainz statt. Jeder Film wird von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern des Instituts eingeführt. Im Anschluss an die Filme besteht jeweils die Gelegenheit zur Diskussion. Die Reihe beginnt am Mittwoch, den 30. Oktober 2013, um 20.30 Uhr mit Charlie Chaplins Satire Gewehr über (Shoulder Arms) aus dem Jahr 1918. Chaplin stolpert darin durch die Schützengräben des Ersten Weltkriegs und nimmt nebenbei den deutschen Kaiser in Gefangenschaft – ein frühes Beispiel für die Bewältigung des Krieges durch Humor aus den USA, die zu diesem Zeitpunkt -noch vor dem offiziellen Kriegsende in Europa undenkbar war.