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Andreas Volanus und die Reformation im Großfürstentum Litauen

Kȩstutis Daugirdas

Andreas Volanus und die Reformation im Großfürstentum Litauen

Veröffentlichungen des Instituts für Europäische Geschichte, Mainz, 221: Abt. Abendländische Religionsgeschichte
Mainz: von Zabern, 2008
ISBN: 978-3-8053-3921-6

Die meisten Historiker, die sich mit der Reformationsgeschichte im Großfürstentum Litauen in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts befasst haben, sahen in Andreas Volanus vor allem eine bedeutende Persönlichkeit des politischen und kirchlichen Lebens. Obwohl viele seiner zahlreichen theologischen Schriften erhalten sind, ist er jedoch gerade als Theologe bisher nicht gründlich erforscht worden.
Die vorliegende Studie zeichnet das Wirken dieses Theologen und Diplomaten in zwei Schritten nach: Zuerst werden sein Leben und Denken im Spannungsfeld der zeitgenössischen Herausforderungen problemorientiert verortet. Daran anschließend erfolgt eine Darstellung seiner wichtigsten theologischen Anliegen.

Der biographische Teil beginnt mit der Schilderung seiner Jugend- und Studienzeit (ca. 1531-1553) und schließt mit einem Blick auf die letzten Jahre, von 1600 bis zu seinem Tod 1610. Das Hauptgewicht dieses Teils liegt in jenen Wirkungsperioden des Volanus, die sich auf die Jahre 1553 bis 1565/1566 und dann bis 1599 erstrecken. Dabei werden sowohl die Genese der Reformation im Großfürstentum Litauen als auch die Rolle, die Volanus bei der Konsolidierung der reformierten Kirche, in den politischen Auseinandersetzungen und in den Kontroversen mit den Jesuiten und Unitariern spielte, einer eingehenden Untersuchung unterzogen.

Die Darstellung der Theologie des Volanus richtet sich nach den theologischen loci, die für die im historischen Teil geschilderten Auseinandersetzungen bestimmend waren. So rücken die Trinitätslehre und die Christologie an erste Stelle, gefolgt von der Analyse der Abendmahlslehre und weiterer kontroverser Lehraussagen zur Ekklesiologie, zur Frage der rechten Lehre und ihrer Kriterien sowie zu den Antichrist-Vorstellungen jener Zeit. Die freigelegten Strukturen der Theologie des Volanus werden abschließend nach dem Einfluss der westeuropäischen Reformatoren befragt, wobei Parallelen zu Melanchthon und Calvin aufgezeigt werden.