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“Controversia et Confessio”. Quellenedition zur Bekenntnisbildung und Konfessionalisierung (1548–1580)

Das Forschungs- und Editionsprojekt “Controversia et Confessio” zählte von 2007 bis 2025 zu den geisteswissenschaftlichen Langzeitprojekten der Akademie der Wissenschaften und der Literatur Mainz und basiert auf einer bio-bibliographischen Datenbank, die auf der online-Plattform des Projekts vollständig durchsuchbar ist. Es war eingebunden in die Forschungen des Leibniz-Instituts für Europäische Geschichte und stand in Kooperation mit der Johannes Gutenberg-Universität Mainz und der Herzog August Bibliothek Wolfenbüttel.

Die Edition dokumentiert die theologischen Streitigkeiten, die nach dem Augsburger Interim von 1548 und dem als Alternative dazu konzipierten Leipziger Landtagsentwurf (“Leipziger Interim”) aufbrachen. Sie orientiert sich dabei an den verhandelten theologiegeschichtlich relevanten Themen, deren Aushandlung auch in gesellschaftliche und politische Bereiche hineinwirkten. Rezeptionsgeschichtlich ausgerichtet, stellt die Edition jene Dokumente zur Verfügung, die in der Öffentlichkeit kontroverse Reaktionen hervorriefen und Antwort- bzw. Gegenschriften provozierten. Auf diese Weise rücken jene Abgrenzungs- und Identitätsbildungsprozesse in den Blick, die für die allmählich entstehende Konfessionalität des späten 16. Jahrhunderts ausschlaggebend wurden und die Europa bis heute prägen. Dabei kommt die theologische Vielfalt des Protestantismus Augsburger Konfession zum Vorschein, die sich vorschnellen konfessionellen Etikettierungen entzieht, sich nicht in vorgegebene Schemata einordnen lässt und, trotz aller historisch gegebenen territorialen Einbindungen, europäisch grenzüberschreitend wirkte. Hinter den theologisch motivierten Kontroversen stand die Auseinandersetzung um das Erbe der vornehmlich von Martin Luther und Philipp Melanchthon getragenen Wittenberger Reformation, außerdem die Frage nach dem neu zu bestimmenden Verhältnis von Religion und Politik sowie die Suche nach zukunftsweisenden, Orientierung gebenden Autoritäten angesichts politischer und gesellschaftlicher Herausforderungen. Dies mündete in ein Ringen um theologische und ethische Authentizität bei gleichzeitiger Pluralisierung der Positionen. Unter kommunikationsgeschichtlichem Aspekt werden zugleich die multifunktionale Dimension von Bekenntnisbildungen sowie der literarische und rhetorische Reichtum einer theologischen “Streitkultur” sichtbar.

Während die gedruckte Ausgabe nur eine Auswahl der in den jeweiligen Kontroversen zentralen Stücke bieten kann, ist eine vollständige bibliographische Dokumentation in der Internet-Datenbank des Projekts zugänglich. Sie erlaubt durch ihre Recherchemöglichkeiten eine Einordnung der Stücke in die jeweiligen Kontroverszusammenhänge, gibt kurze Inhaltsangaben und bietet biographische Artikel zu den jeweiligen Verfassern, deren vielfältige Vernetzung auf diese Weise erhoben werden kann.

Project duration: 2007-2022 (IEG) -2025 (AdW)
Project members:
  • Irene Dingel (Projektleitung)
  • Kęstutis Daugirdas (2016-2017)
  • Jan Martin Lies (seit 2009)
  • Vera von der Osten-Sacken (2008-2012)
  • Hans-Otto Schneider