IEG-Wissenschaftler PD Dr. Thomas Weller hat in der aktuellen Folge des Podcasts „Sone & Solche“ des SFB Humandifferenzierung spannende Einblicke eröffnet: Er sprach darüber wie die spanische Monarchie Menschen nach Religion und Ethnizität unterschied, um Einwanderung in ihre amerikanischen Kolonien zu kontrollieren – und wie die Betroffenen sich diese Unterscheidungen zu Nutze machten.
Die spanische Monarchie hatte in der frühen Neuzeit strenge Regeln für die Einreise in ihre amerikanischen Kolonien. Um die koloniale Herrschaft und den Missionserfolg bei Indigenen nicht zu gefährden, durften nur in Spanien geborene Menschen einwandern, die seit Generationen katholisch waren. Damit waren nicht nur Landesfremde und Angehörige anderer Religionen, sondern auch zum Katholizismus konvertierte Untertan:innen des spanischen Königs sowie deren Nachfahr:innen von der Migration nach Amerika offiziell ausgeschlossen.
Dennoch gelang vielen (ehemals) jüdischen, protestantischen und muslimischen Menschen die Überfahrt.
Eine weitere Gruppe, die von den kolonialen Obrigkeiten als potenzielle Bedrohung für die gesellschaftliche Ordnung und die religiöse Reinheit des Gemeinwesens gesehen wurde, war nicht freiwillig eingewandert: Auch versklavte Menschen aus dem subsaharischen Afrika wurden von den Obrigkeiten mit Misstrauen beäugt und unter Zwang getauft.
Thomas Weller untersucht, welche Rolle ethnische und religiöse Zuschreibungen für diese Menschen spielten, wie sie mit obrigkeitlichen Kategorisierungen umgingen und diese auch flexibel für sich nutzen konnten.
Da religiöse und ethnische Zuschreibungen sich in diesem Kontext überlagerten, sprechen wir auch über Ethnizität: Was ist das eigentlich, wie entstehen Ethnien, und warum verwenden wir diesen Begriff häufig vor allem für außereuropäische Gesellschaften?
Thomas Weller ist Historiker am Leibniz-Institut für Europäische Geschichte und auf die Frühe Neuzeit sowie die Geschichte Spaniens und Lateinamerikas spezialisiert. Im Sonderforschungsbereich Humandifferenzierung leitet er das Projekt „Religion und Ethnizität. Transatlantische Mobilität und Humandifferenzierung im kolonialen Hispanoamerika“.