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Pressemitteilung: 31 Jahre nach Srebrenica: Zeitzeugengespräch mit Hasan Nuhanović am IEG


Mainz, 17. September 2026 – Mehr als drei Jahrzehnte nach dem Völkermord von Srebrenica ist die Frage nach Verantwortung, Erinnerung und juristischer Aufarbeitung weiterhin hochaktuell. Am Donnerstag, 17. September, ist mit Hasan Nuhanović einer der wichtigsten Überlebenden und Zeitzeugen des Genozids zu Gast am Leibniz-Institut für Europäische Geschichte (IEG) in Mainz.

Eine besondere Aktualität erhält das Gespräch durch den Tod Ratko Mladićs Ende August. Der frühere bosnisch-serbische General war wegen Völkermords, Verbrechen gegen die Menschlichkeit und Kriegsverbrechen zu lebenslanger Haft verurteilt worden. Seine Beisetzung Anfang September in Belgrad, an der Tausende Menschen teilnahmen und bei der ihm militärische Ehren erwiesen wurden, hat die Auseinandersetzung um den gesellschaftlichen Umgang mit den Verbrechen der 1990er Jahre und die öffentliche Verehrung verurteilter Kriegsverbrecher erneut in den Mittelpunkt gerückt.

Hasan Nuhanović erlebte die Ereignisse von Srebrenica unmittelbar. Ab 1993 arbeitete er zunächst als Übersetzer für UN-Militärbeobachter und später für die niederländische UN-Truppe Dutchbat auf dem Stützpunkt Potočari. Als bosnisch-serbische Truppen Srebrenica im Juli 1995 einnahmen, ermöglichte ihm seine Tätigkeit, auf dem UN-Stützpunkt zu bleiben. Seine Eltern und sein Bruder mussten diesen hingegen verlassen und wurden anschließend ermordet.

Seitdem setzt sich Nuhanović für die Dokumentation und juristische Aufarbeitung des Völkermords ein. 2008 verklagte er den niederländischen Staat. 2013 bestätigte der Oberste Gerichtshof der Niederlande dessen Mitverantwortung für den Tod seiner Angehörigen. Sein Verfahren wurde damit zu einem wichtigen Fall in der juristischen Auseinandersetzung um die Verantwortung von UN-Schutztruppen.

Auch als Autor hat Nuhanović seine Erfahrungen und die Rolle der internationalen Gemeinschaft aufgearbeitet. Sein Buch Under the UN Flag: The International Community and the Srebrenica Genocide diente als eine der Vorlagen für Jasmila Žbanićs vielfach ausgezeichneten Film Quo Vadis, Aida? (2020). Zudem ist Nuhanović Mitbegründer des Memorial Centers Potočari, des zentralen Erinnerungsortes für die Opfer des Völkermords von Srebrenica.

Das Zeitzeugengespräch „Der Völkermord von Srebrenica und seine Aufarbeitung“ findet am Donnerstag, 17. September 2026, um 18 Uhr am Leibniz-Institut für Europäische Geschichte in Mainz statt. Die Veranstaltung wird gemeinsam mit dem Haus des Erinnerns – für Demokratie und Akzeptanz Mainz organisiert und findet in englischer Sprache statt.

Eine Anmeldung ist erforderlich.

Weitere Informationen und Anmeldung:
https://www.ieg-mainz.de/events/zeitzeugengespraech-mit-hasan-nuhanovic-der-voelkermord-von-srebrenica-und-seine-aufarbeitung/

Kontakt  

Presse: Lia Börsch, Referentin für Kommunikation und Presse; boersch@ieg-mainz.de, Tel. 06131 / 39 393 43

 

© Hasan Nuhanović