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Tagung »Sacralization of History in (contemporary) Eastern Europe. Actors – Networks – Topics«


Dort haben der Zerfall der Sowjetunion und die Tilgung sowjetischer Traditionen und geschichtlicher Deutungsmuster Politiker:innen und Gesellschaften dazu befähigt oder veranlasst, einen Bezug zur »eigenen, nutzbringenden Vergangenheit« zu suchen oder wiederzuentdecken. Über Russland und die Ukraine hinaus findet derzeit eine intensive öffentliche Auseinandersetzung mit der Geschichte beispielsweise in den baltischen Staaten, in Polen und Ungarn sowie auf dem Balkan statt.

Das historische Gedächtnis spielt vor allem in Osteuropa eine zentrale Rolle bei der Herausbildung nationaler Identitäten und der Legitimierung von Herrschaftsansprüchen. Auffällig ist, dass Geschichte gegenwärtig nicht nur politisiert, sondern auch sakralisiert wird. Historische Zeugnisse, Mythen und Stereotypen werden für »authentisch« und damit über jeden Zweifel und jede Kritik erhaben erklärt. Säkulare und sakrale Rituale, verehrte Objekte und markierte Räume werden genutzt, um Gefühle der nationalen Identität und Zugehörigkeit zu stärken. Religiöse Autoritäten und Kirchen sind oft an der Sakralisierung der Geschichtspolitik beteiligt. Auch populistische Parteien und Regime bedienen sich auf diese Weise der Geschichte.

Termin: 28.06.2021, 10:00 – 18:00

Veranstaltungsort:
Herder Institute for Historical Research on East Central Europe
Marburg
Rheinland-Pfalz
Deutschland