Anhand historiographischer Texte analysierte das Projekt den Wertehorizont der englischen Katholiken in den Niederlanden. Im Mittelpunkt steht die Frage, ob und wie sich dieser Wertehorizont im Exil und durch die Interpretation der Exilerfahrung veränderte. Die zunehmend restriktive Religionspolitik Elisabeths I. mündete zwar nicht in eine allgemeine Katholikenverfolgung, verringerte aber den Spielraum für eine Teilnahme der Katholiken am öffentlichen Leben. Insbesondere der allen, die ein öffentliches Amt anstrebten, abverlangte Eid auf die Königin sowie die Verpflichtung zum Besuch des anglikanischen Gottesdienstes veranlasste eine Minderheit der englischen Katholiken zur Emigration. Direkt verfolgt wurden die katholische Kirche und ihre Amtsträger; katholische Institutionen und Bildungseinrichtungen waren verboten. Dies führte zur Emigration katholischer Kleriker (einschließlich Mönche und Nonnen) sowie derer, die katholische Bildungsstätten besuchen wollten. Wichtigstes Zielland der englischen Katholiken waren die spanischen Niederlande (neben Spanien und Frankreich). Zentren des Exils waren die rasch entstehenden geistlichen Institutionen (Kollegs, Klöster) in den niederländischen Städten (v.a. Douai, Löwen, Antwerpen, Brüssel), die als Kristallisationspunkte für die sich dort niederlassenden Laien dienten.
- Bettina Braun