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Geschichtsmythen auf dem Prüfstand


Unsere wissenschaftlichen Mitarbeiter PD Dr. Thomas Weller und Dr. Malin Sonja Wilckens nehmen an der Vorlesungsreihe „Geschichtsmythen auf dem Prüfstand“ teil, die von Historians for Democracy (hist4dem) veranstaltet wird.

Mythen über Vergangenheit und Herkunft finden sich im Alltag und im politischen Diskurs. Gegenwärtig werden sie häufig (aber nicht nur) genutzt, um rechte und rechtsextreme Ziele zu stützen. Geschichtsmythen, wie die von ethnisch reinen Germanen oder Wikingern oder der Versuch, eine “schlechte” islamische Sklaverei von einer weniger schlechten westlichen abzugrenzen, werden dabei als „historische Wahrheit“ dargestellt. Diesen Versuchen der Umdeutung von Geschichte möchten hist4dem in dieser Vortragsreihe eine bunte und vielfältige, oft widersprüchliche und immer spannende und vor allem der Wahrheit verpflichtete Geschichte entgegenstellen.

Die Vorlesungsreihe findet im Leibniz-Zentrum für Archäologie (LEIZA) in Mainz statt. Alle Veranstaltungen beginnen jeweils um 18:00 Uhr. Nähere Informationen erhalten Sie bei Dr. Andreas Frings vom Historischen Seminar der JGU Mainz.

Programm

20. Mai: Sklaverei (Thomas Weller, IEG Mainz)

3. Juni: Rasse (Malin Wilckens, IEG Mainz)

17. Juni: Wikinger (Dominik Waßenhoven, Universität zu Köln)

1. Juli: Germanen (Andreas Goltz, JGU Mainz)

Malin Wilckens – Rasse:

Obwohl die biologische Existenz menschlicher „Rassen“ wissenschaftlich längst widerlegt ist, glaubt laut einer aktuellen Studie des Deutschen Zentrums für Integrations- und Migrationsforschung knapp die Hälfte der Befragten weiterhin an ihre Existenz. Der Vortrag widmet sich den wissenschaftsgeschichtlichen Ursprüngen dieser Kategorie vom späten 18. bis ins 20. Jahrhundert und zeigt, wie sie jeweils wissenschaftlich legitimiert und plausibilisiert wurde.

Anhand von Ausgrabungsstätten im alten Ägypten, menschlichen Überresten aus den Amerikas, mittelalterlichen Pariser Friedhöfen sowie den Sammlungspraktiken von Missionaren werden die globalen und ‚materiellen‘ Dimensionen sogenannter „Rassen“-Theorien sichtbar. Dabei wird deutlich, dass die Kategorie auch innerhalb der Naturwissenschaften nie eine stabile Bedeutung besaß, sondern fortlaufend durch Mess- und Vergleichspraktiken hergestellt wurde. Bis heute wirken ihre Denkfiguren fort – oft verborgen hinter neuen Begriffen und Formen eines „racism without races“.