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Neuerscheinung »Politik – Religion – Kommunikation: Die schmalkaldischen Bundestage als politische Gesprächsplattform«


In der Reihe »Veröffentlichungen des Instituts für Europäische Geschichte« (VIEG) ist das Beiheft 137 »Politik – Religion – Kommunikation: Die schmalkaldischen Bundestage als politische Gesprächsplattform« erschienen. Herausgeber sind IEG-Mitarbeiter Jan Martin Lies und Stefan Michel, Institut für Kirchengeschichte der Technischen Universität Dresden. Ein Buch für historisch und politisch Interessierte.

Zwischen 1531 und 1546 fanden die Bundestage des schmalkaldischen Bundes statt. Oft versammelten sich die im schmalkaldischen Bund vereinten evangelischen Fürsten und Städte am Rande von Reichstagen. Sie einte ihr Glaube und damit die Verteidigung der Reformation gegen die Religionspolitik Kaiser Karls V. Die Bundestage waren politische Gesprächsplattformen in einer Zeit, in der Politik sich neu orientieren musste. Denn der durch die Reformation ausgelöste Glaubensstreit warf für die seit jeher vorhandene Untrennbarkeit von Politik, Religion und Recht Probleme auf. Bisher anerkannte theologische Autoritäten und Wahrheiten wurden in Frage stellte, Herrschaft und politisches Handeln mussten neu bzw. anders theologisch begründet werden.

Die Autor:innen des Bandes betrachten die Bundestage auf zwei Weisen kritisch: zum einen in einer Außenperspektive, da die Bedeutung der Bundestage als Möglichkeit zur Initiierung bzw. Durchführung von reichsweiten, teils europäischen Aushandlungsprozessen und strategischen Diskussionen einer Analyse bedarf. Zum anderen in einer Innenperspektive, in der die Bundestagungen als Orte strategischer Diskussionen zwischen den Bundesmitgliedern beleuchtet werden.

Durchaus bestehen Anknüpfungspunkte an die Gegenwart: Einer betrifft die Aushandlungsprozesse und die damit verbundene, heute sehr aktuelle Frage nach Krieg und Frieden. Es galt eine stabile Ordnung im Reich trotz der aufgebrochenen theologischen, politischen und juristischen Differenzen zu gewährleisten und die Fragen zu klären, ob und, wenn ja, mit welchen Begründungen auch eine militärische Verteidigung der Reformation geboten bzw. notwendig werden würde. Insofern verweisen die Herausgeber auf Ähnlichkeiten zu Verhandlungen bei heutigen Gipfeltreffen. Wie
heute, erlebten die Diskutanten dabei das Problem zwischen Theorie und Praxis, zwischen der Beratung durch Theologen, Juristen u.a. und dem notwendigen Pragmatismus der Entscheidungsträger.

Im Zuge der Reformation etablierten sich im Reich zwei theologische Wahrheiten, die in dauerndem Widerstreit standen. Politische Verhandlungen und Religionsgespräche führten zu keiner Einigung. Darum unternahm der Kaiser nach seinem militärischen Sieg über den Schmalkaldischen Bund im Schmalkaldischen Krieg 1546/47 mit einem Religionsgesetz (Augsburger Interim) 1548 den Versuch, die Kultuseinheit wieder her zu stellen. Der Kaiser scheiterte mit diesem
Ansinnen und erst der Augsburger Religionsfrieden 1555 schuf eine tragfähige Ordnung für die nächsten Jahrzehnte.

Die Herausgeber:
Dr. Jan Martin Lies ist Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Leibniz-Institut für Europäische Geschichte Mainz, beschäftigt im Forschungs- und Editionsprojekt »Controversia et Confessio. Quellenedition zur Bekenntnisbildung und Konfessionalisierung (1548–1580)« der Akademie der Wissenschaften und der Literatur in Mainz.

PD Dr. Stefan Michel ist Wissenschaftlicher Mitarbeiter für Kirchengeschichte im Institut für Evangelische Theologie an der Technischen Universität Dresden.

Neuerscheinung:
Jan Martin Lies / Stefan Michel (Hg.), Politik – Religion – Kommunikation: Die schmalkaldischen Bundestage als
politische Gesprächsplattform
Veröffentlichungen des Instituts für Europäische Geschichte Mainz – Beiheft 137,
1. Auflage 2022, 317 Seiten, gebunden, Vandenhoeck & Ruprecht
ISBN: 978-3-525-55464-7, eISBN: 978-3-666-55464-3,
Open Access: https://doi.org/10.13109/9783666554643

Kontakt:
Friederike Lierheimer, +49 (0)6131 3930076, lierheimer@ieg-mainz.de
Dr. Juliane Schwoch, +49 (0)6131 3939343, schwoch@ieg-mainz.de