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Neuerscheinung: Sammeln, Messen, Vergleichen: Schädel, ›Rasse‹ und die Ordnung der Welt in der deutschen, US-amerikanischen und französischen Anthropologie (1780-1880)


Mainz, 17.08.2026 – In ihrer neu erschienenen globalen Mikrostudie befasst sich die Historikerin Malin Wilckens mit der Frage, welche Praktiken zu den anthropologischen ‚Rassen‘-Theorien der Vergleichenden Anatomie in Europa und den USA im Übergang vom 18. zum 19. Jahrhundert führten.

Die ‚Rassen‘-Theorien des langen 19. Jahrhunderts etablierten eine globale Ordnung der Menschen, die sich erst richtig verstehen lässt, wenn die Sammel- und Vergleichsprozesse menschlicher Schädel aufeinander bezogen und transnational untersucht werden.

In ihrer global- und wissenschaftsgeschichtlich ausgerichteten praxeologischen Studie zum wissenschaftlichen Rassismus betrachtet Malin S. Wilckens das Sammeln und Vergleichen menschlicher Schädel dreier zentraler vergleichender Anatomen: Johann Friedrich Blumenbach, Samuel George Morton und Paul Broca.

Dabei wird eine gewisse Kontingenz der ‚Rassen‘-Theorien‘ deutlich – das globale Sammeln von Schädeln beeinflusste das Vergleichen und somit die Klassifikation. Der Schädel als Sitz des Gehirns wurde zum maßgeblichen Differenzkriterium der naturgeschichtlichen Klassifikationen. Verschiedene Wissenspraktiken förderten den „Erfolg“ von ‚Rassen‘-Theorien: Die spätaufklärerisch-koloniale Praxis der Schädelforschung ging in eine imperiale und später nationale Wissensproduktion über, die bis in heutige Rassismen wirkt.

Nutzten Anatomen und Anthropologen den ‚Rasse‘-Begriff zunächst für kontinentale Menschengruppen, wurde er im 19. Jahrhundert zunehmend für regionale Menschengruppen und zur binnenkontinentalen Differenzierung eingesetzt. Beide Fokusse standen in engem Zusammenhang mit kolonial-imperialen Deutungen und bedingten eine asymmetrische Beziehung Zentraleuropas und der USA mit anderen Teilen der Welt.

Zur Autorin
Dr. Malin Wilckens promovierte nach ihrem Studium der Geschichte und Politik als Stipendiatin der Studienstiftung des deutschen Volkes an der Bielefeld Graduate School in History and Sociology. Sie erhielt Forschungsstipendien in Stanford, Washington und London. Seit November 2023 ist sie wissenschaftliche Mitarbeiterin am Leibniz-Institut für Europäische Geschichte (IEG) in Mainz. 2025 erhielt sie den Johannes Zilkens-Promotionspreis der Studienstiftung für ihre dem Buch zugrundeliegende Dissertation „Schädelvergleiche und die Ordnung der Welt – Rassifizierung in der Wissenschaft (1780–1880)“.

NEUERSCHEINUNG „Sammeln, Messen, Vergleichen: Schädel, ›Rasse‹ und die Ordnung der Welt in der deutschen, US-amerikanischen und französischen Anthropologie (1780-1880)“
Kritische Studien zur Geschichtswissenschaft, Band 254, 1. Auflage 2026, 384 Seiten, gebunden, Vandenhoeck & Ruprecht, ISBN: 978-3-525-31777-8.

Zum IEG
Das IEG ist ein selbstständiges außeruniversitäres Forschungsinstitut in Mainz. Seine Aufgabe ist die wissenschaftliche Erforschung der europäischen Geschichte. Es erfüllt diese Aufgabe durch Einzel- und Gemeinschaftsvorhaben seiner Beschäftigten sowie der in- und ausländischen Forschungsstipendiatinnen und -stipendiaten. Seit 2012 ist das Institut Mitglied der Leibniz-Gemeinschaft.

Kontakt:
Presse: Dr. Christian Eilers, +49 (0)6131 39 33635, eilers@ieg-mainz.de