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„Ortstermine“: Website erforscht den Umgang mit Differenz im Europa der Neuzeit


Der Bekanntheitsgrad der Kleinstadt Ronneburg bei Gera ist gering. Doch kurz nach dem Ende des Dreißigjährigen Krieges geschah dort etwas, das Entwicklungen in ganz Europa widerspiegelt. Wer kennt sie nicht, die „Große Freiheit“, eine Seitenstraße der Reeperbahn im Stadtteil St. Pauli in Hamburg-Altona? Der Begriff „Freiheit“, so wie wir ihn heute in diesem Zusammenhang verstehen, hatte vor Jahrhunderten eine völlig andere Bedeutung. Doch welche? Und inwiefern ist die Geschichte dieser und weiterer europäischer Orte aufschlussreich für einen europaweiten Wandel im Umgang mit Andersartigkeit und Ungleichheit?

Die Open Access-Publikation „Ortstermine“ betrachtet Ereignisse, die sich in europäischen Orten abgespielt haben und die für die Untersuchung der historischen Entwicklung Europas (seit 1500) beispielhaft sind. Die Artikel verdeutlichen, wie unterschiedlich und konfliktbeladen der Umgang mit Andersartigkeit und Ungleichheit – mit einem Wort: Differenz – war. Sie zeigen Strategien, die entwickelt wurden, um Differenz zu befördern, zu präsentieren, zu bewahren, abzumildern oder zu beseitigen. Dabei gehörten Diskussionen, friedliche Lösungen und Hilfeleistungen ebenso zu den Strategien wie Migration und Mission oder Protest und Ausgrenzung bis hin zu Krieg und Vernichtung.

„Ortstermine“ richtet sich alle an Geschichte, Religion und Politik Interessierte. Die Artikel, verfasst von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern des IEG, stellen die historische Ausgangslage vor, schildern, wie die Beteiligten vor Ort mit Andersartigkeit und Ungleichheit umgegangen sind und betrachten schließlich die langfristigen Folgen der Ereignisse.