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Zwischen Schande und Ehre

Horst Carl (Hg.)Martin Wrede (Hg.)

Zwischen Schande und Ehre

Erinnerungsbrüche und die Kontinuität des Hauses; Legitimationsmuster und Traditionsverständnis des frühneuzeitlichen Adels in Umbruch und Krise
Veröffentlichungen des Instituts für Europäische Geschichte, Mainz: Beihefte, 73: Abt. Universalgeschichte
Mainz: von Zabern, 2007
ISBN: 978-3-8053-3710-6

Der frühneuzeitliche Adel war eine, wenn nicht die „Erinnerungsgruppe“ par excellence; er konstituierte und legitimierte sich essentiell aus Erinnerung, Tradition und Kontinuität des „Hauses“ bzw. der Dynastie. Diese Einsicht ist mittlerweile ein ebenso selbstverständlicher Ausgangspunkt der historischen Forschung geworden wie das Verständnis des Adels aus seiner spezifischen Standesehre heraus.
Dieser Sammelband bringt daher die Fragen nach Ehre und Erinnerung des Adels zusammen, fokussiert auf ihre Kehrseiten: Schande und Vergessen bzw. Verschweigen. Die Beiträge thematisieren den Umgang mit Brüchen und dunklen Flecken in Geschichte und Erinnerung ganzer adliger Gesellschaften ebenso wie einzelner adliger Häuser. Wie stand adliges Familiengedächtnis zwischen „Schande“ und „Ehre“, wie veränderte es sich in politischen, konfessionellen, dynastischen Krisen und Konkurrenzsituationen oder unter dem Druck eines von Staat oder Kirche forcierten Wertewandels? Wie verfuhr adelige memoria mit den „Schwarzen Schafen“ der Familiengeschichte? Welche Wege der „Heilung“ suchte man: Gab es eine familiale damnatio memoriae, dominierten Strategien der Umwertung oder „anachronistisch“ werdende Wertmaßstäbe?
Um Antworten zu finden, schlägt der Band nicht nur einen zeitlichen Bogen vom 16. bis ins frühe 19. Jahrhundert, sondern umgreift die Länder des westlichen, des mittleren und des östlichen Europa. Er hinterfragt so nicht nur die von der Forschung für die Frühe Neuzeit postulierte Entwicklung adliger Legitimationsstrategien „from valor to pedigree“. Die Studien arbeiten auch die Gemeinsamkeiten bzw. Unterschiede in (vor-)nationalen Adelskulturen heraus und nähern sich damit einer Antwort auf die Frage, inwiefern von „europäischem Adel“ gesprochen werden kann oder eher von „Adel in Europa“.