Prof. Dr. Henry Keazor, Professor für Neue und Neueste Kunstgeschichte an der Universität Heidelberg, hält am 27. Oktober 2026 im Rahmen des Forschungskolloquiums des IEG einen Vortrag zum Thema:
„Was ist falsch an der Fälschung?“
Die im Vortragstitel formulierte Frage wurde 1965 von dem niederländisch-amerikanischen Philosophen Alfred Lessing in einem Aufsatz gestellt, der heute fester Bestandteil jeder Anthologie zur (Kunst-)Fälschung ist. Ausgangspunkt seiner Überlegungen ist die Beobachtung, dass Fälschungen, solange sie noch nicht als solche entlarvt sind, große ästhetische Wertschätzung entgegengebracht wird, die jedoch sofort in ihr Gegenteil umschlägt, wenn die wahre Natur dieser Werke erkannt wird. Lessing fragt sich, wie dies möglich sein kann, da sich an dem betreffenden Objekt rein materiell gar nichts geändert hat und er kritisiert ein Kunsturteil, das sich nicht an den ästhetischen Qualitäten eines Werkes, sondern an – aus seiner Sicht – externen Kriterien wie historischen Fakten orientiert.
Der Vortrag nimmt Lessings Frage, was also „falsch“ an einer Fälschung sei, zum Anlass, um sie in zwei Hinsichten aufzugreifen: Erstens als Frage danach, was denn an sich so „falsch“ und problematisch an Fälschungen sei – eine Frage, die in der Öffentlichkeit oft von Laien gestellt wird, denen die Konsequenzen von in den Kunstmarkt eingeschleusten Fälschungen nicht klar ist. Zweitens aber auch als Frage danach, was eine Fälschung in der Kunst erst zu einer solchen macht und welche Formen hierbei zu unterscheiden sind. Dies wird anhand einer Reihe von Beispielen aufgezeigt und, daran anknüpfend, sodann auch die Frage danach beantwortet, was das Problematische an Fälschungen ist.
In einem letzten Teil wird angesprochen, welche möglichen Strategien hier – jenseits der klassischen Säulen der Fälschungsentlarvung: Untersuchung des Stils, Prüfung der Provenienz, Analyse der Materialien und der Technik sowie, in jüngerer Zeit, Einsatz von KI – noch zur Verfügung stehen, um sich künftig besser gegen Fälschungen wappnen zu können.
Die Veranstaltung wird moderiert von Prof. Thorsten Wübbena, Professor für Digitales Kulturelles Erbe an der Hochschule Mainz und Leiter des DH Lab am IEG.
Um Anmeldung wird gebeten an veranstaltungen@ieg-mainz.de.
Ort: Leibniz-Institut für Europäische Geschichte Mainz, Alte Universitätsstraße 19, 55116 Mainz.