Auf der 16. Arbeitstagung der Arbeitsgemeinschaft „Frühe Neuzeit“ im Verband der Historiker und Historikerinnen Deutschlands (VHD) wird Frau Prof. Dr. Nicole Reinhardt, Direktorin des Leibniz-Instituts für Europäische Geschichte (IEG) in Mainz, einen Vortrag zum Thema „Wann und was ist ‚Gegen-Reformation‘? Generationelle und lokale Aspekte“ halten.
Zur 16. Arbeitstagung der Arbeitsgemeinschaft „Frühe Neuzeit“
Ging es dem ersten Frühneuzeittag im Jahr 1995 um eine vorsichtige Öffnung der Geschichtswissenschaften für kulturwissenschaftliche Fragen, stellt sich die Lage 30 Jahre später nahezu umgekehrt dar: Die kulturalistische Wende ist seit Langem vollzogen, kulturwissenschaftliche Ansätze sind auch und gerade in der Frühneuzeitforschung voll integriert, wenn nicht dominant. Immer schwieriger wurde es indes, historischen Wandel zu erfassen und Geschichte als Prozess zu beschreiben. So erschwert es die kulturwissenschaftliche Fragmentierung, übergreifende Transformationen zu benennen, größere Linien zu ziehen oder gar Aussagen über die Frühe Neuzeit als Ganze zu treffen. Die vielen Geschichten aus der Frühen Neuzeit, so scheint es, lassen sich kaum mehr zu einer Geschichte der Frühen Neuzeit zusammenfügen.
Wie aber können wir unter diesen Voraussetzungen die Geschichte der Frühen Neuzeit erforschen und darstellen? Was hält die Frühe Neuzeit – und damit unser Fach – zusammen? Und wie können und wollen wir diese Frühe Neuzeit erzählen?
Dieser Selbstverständigung des Faches will der Frühneuzeittag 2026 in Frankfurt am Main ein Forum geben. Der Titel „Frühe Neuzeit erzählen“ zielt dabei auf beides: auf die Praxis des Erzählens und auf den Gegenstand dieser Erzählung(en). Die Tagung gliedert sich dabei in die drei Blöcke Grenzen, Signaturen und Erzählen.
Prof. Dr. Reinhardt wird gemeinsam mit Dr. Samuel Weber von der Goethe-Universität Frankfurt und Prof. em. Dr. Christian Windler von der Universität Bern zum Themenblock „Erzählen“ das Panel „Das Große im Kleinen: Den frühneuzeitlichen Katholizismus erzählen“ halten.
Zum Panel „Das Große im Kleinen: Den frühneuzeitlichen Katholizismus erzählen“:
Seit der Dekonstruktion des Konfessionalisierungsparadigmas verliert sich angeblich auch die Katholizismusforschung im Kleinklein. Die Panelteilnehmer:innen argumentieren, dass gerade mikrohistorische Ansätze den Blick für die großen Zusammenhänge schärfen können. Die Beiträge rollen deshalb die gängigsten kulturgeschichtlichen Perspektiven auf den frühneuzeitlichen Katholizismus neu auf. In der Gesamtschau schält sich so eine neue Erzählung heraus, die die Spezifizität des frühneuzeitlichen Katholizismus fassbar macht: Was ihn von seinen mittelalterlichen Vorläufern und seinem neuzeitlichen Nachfolger unterscheidet, ist, so unsere These, eine augenfällige und als störend empfundene Pluralität, die ihrerseits eine unbeabsichtigte Folge des Bemühens um Einheitlichkeit unter den Kommunikationsbedingungen der Zeit war.
Der Vortrag von Frau Prof. Dr. Reinhardt „Wann und was ist ,Gegen-Reformation‘? Generationelle und lokale Aspekte“ findet im Ramen des Panels statt.
Ort: Goethe-Universität Frankfurt
Termin: 24. bis 26. September 2026
Zeitrahmen des Panels: 25. September 2026, 15:45 – 17:45 Uhr